Wie man eine Wahl gewinnt

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Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Ich habe wieder einmal in meiner Bibliothek gestöbert und bin dabei auf einen Ratgeber für Politiker gestossen. Der Autor des Textes gibt seinem Bruder, der offenbar in einem Wahlkampf steht, Ratschläge. Ich habe im Buch geblättert und war ganz erstaunt, was sich da alles finden liess. Hier ein kurzer Auszug:

  • Vergiss deine Familie und Angehörigen nicht. Sorge dafür, dass sie alle hinter dir stehen und sich deinen Erfolg wünschen. Die meisten Gerüchte, die dir schaden könnten, kommen aus der Familie und dem Freundeskreis.
  • Bemühe dich um den Rückhalt von Wählern aus allen gesellschaftlichen Schichten.
  • Spanne auch die jungen Menschen wirkungsvoll in deinen Wahlkampf ein.
  • Mach dir dein Talent, dein Wissen und deine Lebenserfahrung zunutze.
  • Der wichtigste Teil deines Wahlkampfes besteht darin, den Menschen Hoffnung zu machen.

Ein Politiker braucht offenbar einen riesigen Freundeskreis:

  • Setze auf den guten Willen deiner Freunde aber lass dich auch von ihnen beraten.
  • Suche dir überall Leute, die dich an anderen Orten so vertreten können, als würden sie sich selbst um das Amt bewerben
  • Sobald du herausgefunden hast, wer deine wahren Freunde sind, richte dein Augenmerk auf deine Feinde. Es gibt drei Arten von Leuten, die sich gegen dich stellen werden, nämlich solche, die du verletzt hast, jene, die dich ohne triftigen Grund nicht mögen, sowie schliesslich diejenigen, die enge Freunde deiner Gegner sind.

Ein bisschen Schauspieler sollten angehende Politiker auch sein:

  • Habe im Wahlkampf stets ein offenes Ohr und lass deinen Charme spielen.
  • Ein Kandidat muss wie ein Chamäleon sein und seine Miene und Rede je nach dem jeweiligen Gesprächspartner ändern.

Die folgende Aussage scheint mir besonders interessant:

  • Ein Politiker, der nur Versprechungen macht, die er auch halten kann, hat nicht viele Freunde.

Das letzte Zitat lässt aufhorchen, es erinnert an Wahlkämpfe, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Ländern – auch bei uns – erlebt haben:

  • Sorge dafür, dass deine Bewerbung um ein politisches Amt bei den Stimmbürgern ordentlich Eindruck macht: Würdig soll sie sein, aber auch ein schillerndes Spektakel, wie es beim Volk so beliebt ist. Es wäre auch nicht verkehrt, das Publikum daran zu erinnern, was für Halunken deine Gegner sind, und bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Verbrechen, Sexskandale und Korruption anzukreiden, in die diese Kandidaten verstrickt sind.

Und nun interessiert es natürlich, ob all die Ratschläge zum Erfolg geführt haben: Der oben erwähnte Kandidat ist, obschon er ein Aussenseiter war, mit einem sagenhaften Erfolg in das von ihm gewünschte Amt gewählt worden. Und wie heisst der Politiker? Die Antwort wird vielleicht erstaunen: Es handelt sich um Marcus Tullius Cicero, der vor mehr als 2000 Jahren zum Konsul der römischen Republik gewählt worden ist. Offenbar hat er sich die Ratschläge seines Bruders Quintus zu Herzen genommen. Cicero ist in die Geschichte eingegangen als einer der grossen und letzten Endes erfolglosen Verfechter der Demokratie im alten Rom. Auf seine demokratischen Ideale sollte das damalige Weltreich für Jahrhunderte zur Monarchie wechseln.

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