Wie demokratisch sind Algorithmen?

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Wir begegnen heute im Alltag immer wieder dem Begriff Algorithmus. Wenn es darum geht, komplexe Probleme zu lösen, bei denen der Mensch leicht überfordert ist, kommen diese Wunder-Formeln schnell ins Gespräch. Ihnen kann man heikle Aufgaben anvertrauen. Neulich hat das schweizerische Staatssekretariat für Migration (SEM) bekannt gegeben, dass in Zukunft ein datenbasierter Algorithmus dafür sorgen soll, dass Flüchtlinge in unserem Land schneller einen Job finden. Weil bisher nur rund 15 Prozent im dritten Jahr eine Stelle gefunden haben, sollen sich nun mit Hilfe des Algorithmus mehr Flüchtlinge in unseren Kantonen arbeitsmässig integrieren können. Da stellt sich schon die Frage: Warum kann ein Algorithmus, der ja eigentlich nur Vorschriften zum Bearbeiten eines Problems beinhaltet, mehr als unsere Bundesbeamten? Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Computer in kürzester Zeit viel mehr Daten verarbeiten kann als ein Beamter. Dieser wäre beim Durchackern der Dossiers und Unterlagen längst schon überfordert und hätte seine verdienten und vorgeschriebenen Ruhezeiten einziehen müssen. Nicht so der Computer: Der hat Freude am Arbeiten, scheut vor keinem noch so grossen Pensum zurück und braucht keine Ferien.

Es sind auch Algorithmen, die in Zukunft vieles im Alltag, so z.B. das Einkaufen und Kochen übernehmen. Heute sorgen sie bereits bei Partnervermittlungen dafür, dass die richtigen Menschen zueinander finden. Gut programmierte Algorithmen sind lernfähig – was nicht allem Menschen gleich gut liegt. So sammeln sie die beim Arbeiten gemachten Erfahrungen, lernen ständig und entwickeln sich weiter. Anfangs bekommen sie die Anleitungen und Regeln von einem programmierenden Menschen, später geben sie sich eigene Vorschriften und entziehen sich schnell unserer Kontrolle. Irgendwann verliert der Mensch die Übersicht über das Wirken der Algorithmen, weil er schlicht und einfach mit seinen intellektuellen Fähigkeiten nicht mehr in der Lage ist nachzuvollziehen, was der Computer macht. Deshalb ist es nicht ungefährlich, wenn die Politik Aufgaben, die sie nach dem Volkswillen erledigen sollte, einem Computer übergibt. Weiss dieser, was der Stimmbürger will? Der eingangs erwähnte Algorithmus will möglichst vielen Flüchtlingen eine Stelle verschaffen. Aber weiss er auch, wer ein anerkannter Flüchtling ist und wer das Recht auf Aufnahme in der Schweiz hat? Der Computer muss im Dienste der demokratischen Entscheide stehen und diesen unterstellt werden. Und vor allem: Die Ergebnisse eines Algorithmus müssen jederzeit kontrolliert und allenfalls demokratisch abgeändert werden können. Sonst werden wir zum Sklaven der Digitalisierung.

Ein Algorithmus bearbeite ein komplexes Problem viel schneller und besser als ein Mensch.

 

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