Werden wir vereint gewinnen? Was gewinnen, wenn wir uns nur zusammenschliessen, um nicht zu kämpfen?

Apr 3 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 231 Visite • Commenti disabilitati su Werden wir vereint gewinnen? Was gewinnen, wenn wir uns nur zusammenschliessen, um nicht zu kämpfen?

Eros N. Mellini

Eros N. Mellini

Editorial

 

Das x-te Attentat, die x-te Fortsetzung alberner Erklärungen seitens von Behörden und öffentlichen Persönlichkeiten, die davon überzeugt sind, Dinge von grösster Wichtigkeit zu sagen, die aber – hinsichtlich eines auch nur minimalen Nutzens für die Opfer, ihre Angehörigen und für all jene, die schon nur beunruhigt diese Phänomene miterleben und dem bis vor einigen Jahrzehnten bestehenden Sicherheitsniveau nachtrauern – in Tat und Wahrheit weder von realem Wert sind noch den philosophisch-moralischen Gehalt aufweisen, den ihre Autoren zu haben glauben.

 

Sicher, man verurteilt den Terrorakt (es fehlte noch, wenn nicht), man erklärt sich solidarisch mit den Opfern (wie wenn das für diese von irgendwelcher Bedeutung wäre), aber wenn es darum geht, konkret etwas zu tun…bringt man den Mut nicht auf, Vorurteile beiseite zu legen, die im Krieg – denn um einen Krieg geht es – notgedrungen in den Hintergrund rücken müssen, wenn man gewinnen und einer Lage ein Ende setzen will, in welcher die Verlierer immer und einzig die Unschuldigen sind, die im falschen Moment am falschen Ort waren.

 

Krieg ist stets etwas Fürchterliches, das es mit allen Mitteln zu verhindern gilt, darin sind wir uns alle einig – mindestens theoretisch, denn in der Praxis gibt es Staaten, allen voran die USA (aber auch Europa meint es in den letzten Jahren ernst), die seit Jahrzehnten den Krieg im hintersten Winkel der Welt schüren und die ihr Gewissen damit beruhigen, ihn zu „reglementieren“. Und somit „verbietet“ man gewisse Waffenarten, wie wenn es für die Toten darauf ankäme, durch eine Kugel oder durch Nervengift umgekommen zu sein; man darf auf jeden Uniformträger schiessen (einen Pöstler umzubringen ist nicht erlaubt, da er aber eine Uniform trägt, gelten mildernde Umstände), aber wehe wenn man eine Zivilperson trifft. Das führte vor einigen Wochen zur Absurdität, dass die syrische Armee es erlauben musste, den Einwohnern einiger von ihr belagerten Städte Lebensmittel und Medikamente bringen zu lassen. Ich lese in Wikipedia (nur um meine Gedanken aufzufrischen, denn das Konzept war mir stets klar): „Die Belagerung ist eine Sonderform des Angriffs mit dem Ziel, befestigte Anlagen zu erobern oder die Kampfkraft der Verteidiger abzunutzen und sie zumindest zeitweise zu neutralisieren. Dabei wird der Ort so von eigenen Truppen umschlossen, dass möglichst jeder Verkehr zwischen dem Inneren und dem Äusseren des Belagerungsrings unterbunden wird. Insbesondere soll der Nachschub an Soldaten, Waffen und Nahrung unterbunden werden“.

Somit haben die gutmenschlichen Kräfte, welche leider in der westlichen Welt grassieren, praktisch zu Assad gesagt: „Mache ruhig weiter mit der Belagerung, unter der Bedingung, dass du die Einwohner nicht aushungerst“. Wie wenn man sagen würde: Kaufe ruhig ein Auto, aber es gibt dafür kein Benzin. Unnötig zu erwähnen, dass die Kapitulationserklärungen besagter Städte um einige Millionen Jahre hinausgeschoben wurden.

 

Es ist klar, dass Massaker wie jene der Bombardierung von Dresden oder der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki Grauen erwecken, aber sie haben es den Alliierten auch erlaubt, einen Krieg zu beenden, der sich – wenn er mit all den Tabus von heute geführt worden wäre – noch wer weiss wie lange fortgesetzt hätte. Und es war in der Tat auch der letzte der Kriege, den die Amerikaner als gewonnen betrachten können. Denn aus Korea zogen sie sich mit eingezogenem Schwanz zurück, aus Vietnam wurden sie sang- und klanglos vertrieben, Afghanistan ist besser zum Vergessen… Und warum ? Weil die Atombombe nach Hiroshima und Nagasaki ein Tabu geworden ist, weil der Feind eine äusserst wirksame Guerillataktik anwendete, die man mit angemessenen Waffen, wie es logisch gewesen wäre, „nicht bekämpfen durfte“.  

 

Wie denn will man einen Feind schlagen, der ohne jede Regeln kämpft, dies zudem in absoluter Unwissenheit und unter strikter Beachtung der Regeln, um die sich der Feind keinen Deut kümmert ? Mit der gottgläubigen Illusion, dass die Gerechtigkeit eines Tages siegen werde ? Warum „dürfen“ wir uns nicht auf dasselbe Niveau begeben ?  Wegen dem einen oder anderen, wenn auch bedauerlichen Kollateralschaden ? Aber wer sagt denn, wir dürften uns nicht auf dasselbe Niveau begeben ? Sind denn UNSERE Opfer nicht Kollateralschäden für jene, die dem Westen den Krieg erklärt haben und diesen erobern und islamisieren wollen ? Es sind sogar „Primärschäden“ für jene, die sich zu einer Religion bekennen, welche die Vernichtung der Ungläubigen postuliert.

 

Wir können diesen Krieg nicht führen oder gar gewinnen, wenn wir nicht zumindest vorübergehend auf die Beachtung gewisser rechtsstaatlicher Prinzipien verzichten. Das haben die USA nach dem 11. September getan, und sie sind wahrscheinlich jene Grossmacht, welche seither am wenigsten Attentate islamistischer Prägung erlitten hat (Marathonlauf in Boston im Jahre 2013 und vielleicht das Massaker von San Bernardino 2015). Auch wenn der eine oder andere Unschuldige nach Guantanamo verfrachtet wurde, war die Kosten/Nutzen-Rechnung insgesamt für die Bevölkerung meines Erachtens positiv.

 

Auf was warten Europa respektive die Schweiz, bis sie es den Amerikanern gleich tun ? Mittels gesetzlicher Sonderregeln oder gar der vollen oder partiellen Einführung von Kriegsrecht ?

 

Ein französischer Journalist, Aldo Sterone, hat es unlängst so gesagt: „Am Tag, an dem die Europäer ihre Kinder mehr lieben werden als ihre Dogmen, werden sie beginnen, Lösungen zu finden“.  

 

Solange wir uns der bequemen, aber äusserst gefährlichen absoluten Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien hingeben, droht uns als Schicksal eine vorgängig von zahlreichen äusserst schmerzhaften Episoden geprägte Schlussniederlage.

 

Werden wir geeint siegen ? Ja, aber nur wenn wir uns zusammenschliessen zum Kämpfen und nicht zum Heulen.

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