Wer hat noch nicht, wer will noch mal…?

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Humoreske

 

Seitdem das unzufriedene Tessin wegen seiner ganz besonderen Probleme als ennetbirgischer Grenzkanton zu Italien in Bundesbern etwas intensiver motzt als landesüblich – und vor allem nach dem Tessiner Abstimmungsergebnis zur Masseneinwanderungsinitiative – häufen sich plötzlich die Bundesratsbesuche im Südkanton, um zu versuchen, die Wogen zu glätten und um dort für möglichst gute Stimmung zu sorgen. Das ist bisher eher schlecht gelungen. Deshalb hat der Bundesrat eine Sondersitzung „Tessin“ durchgeführt. Hier deren Verlauf:

Bundespräsident Burkhalter (zu Bundesrat Schneider-Ammann): „Du warst ja der letzte von uns, der dort war. Hat unsere Charme-Offensive etwas gebracht ?“

Schneider-Ammann: „Ich habe es versucht. Ich hoffe, dass ich die Tessiner davon überzeugen konnte, dass man die derzeit 62’400 Grenzgänger einfach viel besser bezahlen muss, dann kommt sicher keiner mehr. Dazu rät uns ja die vereinte Linke, d.h. auch die Mitteparteien. Damit hoffe ich, Bundesberns Solidarität mit unserem geliebten Südkanton wohl deutlich genug ausgedrückt zu haben.“

Burkhalter: „Sicher, doch wir sollten unsere Anstrengungen weiterführen. Wer von uns geht als nächste(r) ins Tessin ? Wer war noch nie dort ? Ich weiss, dass es bis zum nächsten Filmfestival in Locarno noch etwas dauert. Aber da gibt’s doch noch andere Gelegenheiten: Das „Polentagraben-Essen“ in Giubiasco, das Treffen des Vereins „Ja zur Finanzierung der Weltausstellung in Milano“ in Bellinzona, oder die Jahresversammlung der Kontaktgruppe „Europa“ in Mendrisio (zu kontaktieren wäre deren Präsident, den Italiener Don Ciccio Corleone).“   

Sämtliche Bundesräte unisono: „Aber im Tessin waren wir ja alle in letzter Zeit  schon x-mal, und die Reise ist ja so weit…“ 

Burkhalter: „Ja, aber wir müssen insistieren, auch das  Tessin muss  doch letztlich eurokompatibel werden“.

Sommaruga: „Da hätte ich eine Idee. Ueli Maurer könnte nach Losone gehen, wenn dort der 100. Asylbewerber im von uns beschlossenen Asylzentrum in Uelis Kaserne eintrifft, und ihm als Willkommensgeschenk einen Blumenstrauss überreichen. Daran hätten die Tessiner sicher grosse Freude.“

Widmer-Schlumpf: „Warum bereits beim 100. ? Könnten wir das nicht erst beim 1000. machen, das gäbe uns doch 2-3 Monate mehr Zeit ? Zudem: Statt eines teuren Blumenstrausses könnte man dem 1’000 Asylbewerber doch einfach die Niederlassungsbewilligung überreichen, samt seiner Familie.“

Sommaruga: „Nein, dann geben wir jedem Hundertsten doch gleich die Einbürgerungsbewilligung. Inklusive seiner Familie selbstverständlich. Das wären ja dann pro Fall höchsten etwas 27 Personen (Kinder, Enkel, Urenkel, Grosseltern, Brüder/Schwestern, Onkel und Tanten).  Das würde unsere Ausländerstatistik sehr entlasten, wäre sogar euro- und EMRK-kompatibel und gäbe ein deutliches Zeichen an Italien, dass sie dort die illegalen Lampeduser-Migranten gar nicht erst als Asylbewerber zu registrieren haben. Wir könnten Italien auch „technische“ Hilfe leisten und die Schweizer Einbürgerungen gleich in Lampedusa vornehmen.“

Burkhalter: „Ich sehe, da gibt’s mit dem Tessin ein ungelöstes Problem. Keiner von uns Bundesräten will noch hin, solange wir nichts Vernünftiges vorzuschlagen haben. Wir vertagen die „Tessin“-Sitzung auf 2018 oder später“.       

Der Bundesweibel, der den Kaffee serviert, meint diskret zu Burkhalter: „Und Sie wundern sich noch, dass so wenige intelligente Tessiner in Bundesberns Verwaltung tätig sein wollen ?“.

 

Ronco  

 

 

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