Vom Stolz, der Würde und von Weicheiern

Mag 17 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 54 Views • Commenti disabilitati su Vom Stolz, der Würde und von Weicheiern

Eros N. Mellini

Editorial

Wer mich kennt weiss, dass ich das „politisch Korrekte“ hasse, und wird mir den letzten in der Titelsetzung geäusserten, etwas vulgären Ausdruck verzeihen. Eigentlich weiss ich gar nicht, ob die heutige Generation – die meines Erachtens am meisten vom Phänomen „Weicheimentalität“ betroffen ist – denn überhaupt weiss, was dieser Begriff bedeutet bzw. welche Bedeutung ihm die jungen Tessiner in meiner Jugendzeit gaben, nämlich etwa: Weicheier waren Knirpse, ohne Rückgrat infolge übermässiger Masturbation. In erweitertem Sinne wurde dieser Begriff verächtlich verwendet für jene, die sich feige und fügsam verhielten und jedem gegen sie ausgeübten Druck nachgaben, um auch nur dem kleinsten Konflikt auszuweichen. Dies deshalb, weil sie zu Recht oder Unrecht davon überzeugt waren, im Streitfall als Verlierer vom Platz zu gehen. Natürlich gab es die Weicheier bereits damals, denn sonst hätte sich der Begriff gar nicht eingeprägt. Aber sie bildeten eine unbedeutende und verachtete Minderheit – damals gab es den Artikel 261bis des Strafgesetzbuches noch nicht, um die Ausgrenzung jener unter Strafe zu stellen, die sich den konventionellen Haltungen entgegen stellten – und nicht die Masse, die leider heute dermassen überhand nimmt, dass sie – ich befürchte unwiederbringlich – nicht nur die Gesellschaft vergiftet, sondern im konkreten Fall der Beziehungen zur EU, auch die Politik.

In der Gesellschaft…

Der Zweite Weltkrieg hatte uns, obschon er uns nur am Rande betraf, ein klares Unterscheidungsvermögen vermittelt zwischen den wirklich wichtigen Dingen und den unbedeutenden Lappalien. Aber als man sich nach einem etwa zwanzigjährigen Wirtschaftsboom in einem gemütlichen und beruhigenden Wohlstandsklima sonnen konnte, ging dieses Unterscheidungsvermögen sukzessive verloren. Klar, wenn es schon ein Problem bedeutet, für drei Mahlzeiten am Tag zu sorgen, bleibt wenig Zeit und Raum für „Luxusprobleme“. Diese entstehen, sobald die Eltern – fälschlicherweise im Glauben, Gutes zu tun – damit beginnen, die Probleme ihrer Kinder selber zu lösen, in bestem Wissen, dieselben Probleme früher auch gehabt, aber selber gelöst zu haben, weil ihre Eltern weit andere Sorgen hatten. Dadurch, dass diese Eltern ihren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg räumten (wobei diese Hindernisse für deren Lernfähigkeit und Charakterbildung eigentlich nützlich wären), haben sie, eine um die andere, Generationen von Personen geschaffen, die sich als wehrlos erweisen, weil für sie die einst als „Luxusprobleme“ betrachteten Sorgen – die es in Tat und Wahrheit auch heute noch wären – nunmehr zu unüberbrückbaren existentiellen Problemen geworden sind. Und so entwickelte sich immer ausgeprägter eine parasitäre „Weicheiermentalität“, die dazu führte, ständig die anderen um Hilfe zu bitten, seien dies die Eltern, die Freunde oder der Staat. Mit dem Resultat, dass man all jene Dinge, die man nicht mit Einsatz und Anstrengung selber erlangen kann (besser gesagt, es „nicht tun will“) nun wie ein Recht vom Staat einverlangt. Subventionen, Entschädigungen, Steuererleichterungen etc. – wobei viele davon sicher legitim und vernünftig sind, aber andere hingegen überflüssig und in fetten Jahren leichtsinnig gewährt wurden – haben nunmehr unseren Sozialstaat in einen Sozialhilfemissbrauchsstaat verwandelt.

…und in der Politik

In der Titelsetzung zu diesem Editorial habe ich den Stolz und die Würde erwähnt, zwei Werte, die leider den meisten unserer Politiker ebenfalls abhanden gekommen sind. Klar: Um diese Werte legitim verteidigen zu können, muss man sie sich erst verdienen, was Kraft, Einsatz und Anstrengung erfordert. Man muss daran glauben und darum kämpfen, was bis kurz nach den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für unsere Politiker selbstverständlich war. Was hat seither geändert? Auch in diesem Bereich, der übrigens die ganze Gesellschaft widerspiegelt, haben die Weicheier Oberhand gewonnen. Es ist weit einfacher, auf unserem verzagten Charakter entgegen stehende Prinzipien zu verzichten als Mut zu beweisen und auf Oppositionskurs zu gehen. Denn wenn man versöhnlich ist, vermeidet man ruppige Auseinandersetzungen und Vergeltungsmassnahmen. Dass mit einer solchen Haltung Werte wie Nationalstolz, Würde und das Selbstverständnis der Schweiz vor die Hunde gehen werden, spielt keine Rolle; die Schweiz sei zu klein und würde im Falle eines Konflikts mit der EU im vorneherein als Verliererin vom Platze gehen. Dies ist dieselbe Mentalität, die ich eingangs dieses Artikels einer kleinen Minderheit von verachtenswürdigen Weicheiern zugeordnet habe, die heutzutage aber in Bundesbern vorherrschen und nicht mal als verachtenswürdig betrachtet werden (Auswirkung des Art. 261bis StGB?).

Die EU als Zukunft für die Schweiz? Dann lieber Exit!

Gemäss diesen Weicheiern bedeutet die EU die Zukunft, während die Schweiz als anachronistisches Gebilde dem Untergang geweiht sei. Seit 1291 sah man die Zukunft der Schweiz stets in ihrer Erhaltung, und niemals hat man sich eine Unterordnung unter ausländische Mächte gewünscht, wie dies heute diese rückgratlosen Sklaven der geistigen Selbstbefriedigung sich herbei zu sehnen scheinen. Leider lässt aber die Tatsache, dass sie systematisch wiedergewählt werden, darauf schliessen, dass dieses Krebsgeschwür metastatisch geworden ist, und dass die Sterbehilfe für das Ableben der Schweiz über kurz oder lang bevor steht.

Kämpfen wir darum, dass ein Wunder geschehe, und dass es unserem Land gelinge, die nötigen Antikörper zu entwickeln, denn ein Impfstoff gegen die „Weicheierei“ gibt es leider nicht. Dieser können wir nur unseren Widerstandswillen entgegen setzen.

Die EU als Zukunft für die Schweiz? Dann lieber Exit!

Comments are closed.

« »