Verteidigen wir (auch) die Antischweizer

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Eros N. Mellini

Eros N. Mellini

Editorial

Am nächsten 22. September werden wir, neben anderem, auch über die Initiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) „Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht“ abstimmen. Es handelt sich um die x-te Initiative dieser Gruppe von Antischweizern, von eingeschworenen Gegnern der Traditionen und jener Werte, die bis vor wenigen Jahrzehnten unser Land weltweit zu einem von allen beneideten und nur schwerlich imitierbaren Land gemacht haben. Bis vor wenigen Jahrzehnten, d.h. bevor Bundesbern auf die linke Linie eingeschwenkt ist (nicht so sehr wegen den Meriten der Sozialisten, sondern wegen der Unfähigkeit der bürgerlichen Parteien, welche diesem Treiben nichts entgegenzusetzen hatten, bzw. – schlimmer noch – diesen Linksrutsch bewusst schuldhaft unterstützten.

 

Im Jahre 1986 gab’s die Initiative „Für eine Schweiz ohne Armee und eine umfassende Friedenspolitik“, die 1989 mit 64,4 % vom Volke verworfen wurde. 1992 jene „Für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge“, welche – da sie nur gegen den Kauf der Kampfflugzeuge und nicht gegen das Milizprinzip gerichtet war – etwas besser abschnitt, aber dennoch 1993 mit 57,1 % vom Stimmvolk abgelehnt wurde. 1999 war die Initiative „Für eine glaubwürdige Sicherheitspolitik und eine Schweiz ohne Armee“ an der Reihe, die 2001 mit 78,1 % abgelehnt wurde, ebenso wie jene „Für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst“, die 2001 ebenso mit 76,8 % abgelehnt wurde.

 

2009 versuchte dann die GSoA mit der Initiative „Für den Schutz vor Waffengewalt“, die Aufbewahrung der Ordonnanzwaffen durch die Bürger-Soldaten zu unterbinden, und erlitt auch hier mit 56,3 % Nein-Stimmen eine klare Niederlage.

 

Es ist dies eine bemerkenswerte Serie von Abfuhren, die jedermann entmutigt hätte, der über ein Minimum an Würde und Eigenliebe verfügt, die aber offenbar nicht im mindesten die Arroganz dieses Grüppchens verminderte, das hingegen, jederlei Pflichten der Verfassung abhold, sehr aktiv ist im Fordern des „Rechts“, sich diesen Pflichten entziehen zu dürfen.

 

Da das Schweizer Volk in all diesen Jahren mehrmals zur Aufrechterhaltung des Milizprinzips gestanden ist, wurden die Initiativen der GSoA – die selber auch gemerkt hat, dass der ganze Kuchen nicht vollumfänglich zum Essen serviert würde – zielgerichteter: Nicht mehr den ganzen unverdaulichen Kuchen, aber ein Kuchenstück pro Mal. Eine  Taktik, die leider auch von unseren Bundesbehörden angewendet wird. Einmal Nein zu den Kampfflugzeugen, ein anderes Mal Ja zu einem Zivildienst statt des Militärdienstes. Einmal weg mit den Waffen von unseren Bürger-Soldaten (die gelegentlich als potentieller Straftäter hingestellt werden), und jetzt soll Schluss sein mit der obligatorischen Militärdienstpflicht. Das zu erreichende Endziel ist aber immer noch dasselbe, nämlich die Abschaffung der Armee !

 

Leider hat dieses Insistieren auf demselben Argument schon dazu geführt, dass das mehrheitlich links ausgerichtete Bundesbern bereits auf verschiedenen Fronten nachgegeben hat: Budget des Militärdepartements in stetiger Abnahme, Reduktion der Bestände, freie Auswahl ob Militärdienst oder Zivildienst, lächerlich einfache Möglichkeiten, sich vom Militärdienst befreien zu lassen, etc. Dies alles mit der illusorischen Überzeugung, dass heutzutage Kriege anders und mit Methoden ausgetragen würden, denen unsere Armee nicht mehr gewachsen wäre. Aber vor allem aufgrund des Arguments, dass unserer Bevölkerung immer weniger daran liegt, persönlich in militärische Angelegenheiten verwickelt zu sein.

 

All dies lässt – vielleicht bewusst – einige Aspekte völlig ausser Acht, die unsere Armee und ihre fortdauernde Ausbildung zu einem wesentlichen Element unserer Freiheit und unseres nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls machen.

 

Erstens: Ein Krieg kann sicherlich elektronisch, mit Drohnen und anderen Angriffsmitteln ohne risikoreiche Präsenz von Soldaten vor Ort geführt werden, und die „Intelligence“ (wie wir heutzutage die Nachrichtendienste zu bezeichnen pflegen) mag auch massgebend für das Kriegsgeschehen sein. Aber nach all dem muss es notwendigerweise zu einer Phase der Besetzung kommen. Zu welch anderem Zwecke sollte man denn sonst ein Krieg beginnen (man spreche mir bitte nicht von pathetischen hochmoralischen Motiven wie der Demokratisierung oder der Befreiung von unterdrückten Völkern, welche routinemässig von den Amerikanern ins Feld geführt werden, um die offensichtliche Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen zu rechtfertigen) ? Und um eine solche Besetzung zu bekämpfen, wird es stets eines traditionelles Heer oder zumindest einer Miliz bedürfen, die vor Ort Guerilla-Aktionen führen.

 

Zweitens lehrt uns die Erfahrung (Korea oder Vietnam), dass es – wo immer der Bürger zum Kampf für seine Freiheit und seine Grundrechte bereit ist – keine aggressive Grossmacht gibt, die durchhält, der Widerstand wird siegen. Es sei denn, man setze in extremer Manier Atomwaffen ein, was allerdings auch für einen angreifenden Sieger ein jahrelang nicht mehr nutzbares Territorium zurücklässt, was den Zwecken seines Krieges widerspricht.

 

Der dritte und nicht unwichtigste Faktor ist jener des nationalen Zusammenhalts. Der Militärdienst ermöglicht  sehr starke Bindungen zwischen den Bürgern unseres Landes über alle kulturellen und sprachlichen Grenzen hinweg. Ein Tessiner, ein Romand und ein Deutschschweizer, die sich begegnen, werden unweigerlich bald miteinander über den Militärdienst sprechen – mag sein auch fluchend, denn nicht alle haben ihn gerne geleistet – denn das ist ein Thema, das sie zusammenbringt. Und – ganz abgesehen von der Nützlichkeit und Notwendigkeit gewisser militärischer Übungen – liegt darin die Überzeugung begründet, damit etwas beizutragen, stets hoffend, dass es nie Wirklichkeit werden wird. Denn dies alles dient der Verteidigung des eigenen Heims, der eigenen Familie, des eigenen Landes – und leider auch jener GSoA, die ich persönlich nicht für besonders schützenswert halte. Aber, reiflich überlegt, irre ich mich vielleicht. Sie verdienen es sicherlich nicht, verteidigt zu werden, aber ihr (leider auch ihnen) zustehendes Meinungsäusserungsrecht muss gegen alles und jedes verteidigt werden. Vorweg dadurch, dass wir am 22. September zu ihrer unseligen Initiative NEIN sagen.

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