Tourismus geht durch den Magen

Set 26 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 481 Views • Commenti disabilitati su Tourismus geht durch den Magen

Hoch über Maggia erwachen alte Rebberge zu neuem Leben. Bild Rombolau, Azienda vitivinicola Robin Garzoli, Maggia.

 

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

 

Der Herbst ist die Jahreszeit der Feinschmecker, überall im Tessin bieten Restaurants und Grotti köstliche Spezialitäten an. Die Jagd bringt wieder zahlreiche Wildspezialitäten auf den Tisch, der diesjährige Wein lässt hoffen und Kastanien kann man wieder zahlreicher ernten als in früheren Jahren. Wer in diesen Wochen durch die Täler wandert, stellt fest, dass unsere Landschaft von den Essgewohnheiten der Vorfahren geprägt ist. Die vielen Terrassen aus Natursteinmauern hat man ja nicht einfach zum Vergnügen errichtet, sie bieten die beste Möglichkeit, die Reben an sonnigen und trockenen Hängen wachsen und gedeihen zu lassen. Die Selven, lichte Wälder aus einst liebevoll gepflegten Kastanienbäumen, die über Jahrhunderte Früchte tragen, sind entscheidend gewesen um der Landbevölkerung das Überleben zu sichern. Auch die unendlich vielen Sorten von Käse der Tessiner Alpen sind heute begehrte Spezialitäten. Kaum einer überlegt sich, dass es früher lebensnotwendig war, diese Speisen selbst herzustellen. Geld um eingeführte Esswaren zu kaufen gab es für einen Grossteil der Bevölkerung nicht. Die Zeit liegt noch gar nicht so weit zurück, als es verboten war, beim Wandern Baumnüsse oder Kastanien aufzulesen und mit nach Hause zu nehmen: Alle Früchte wurden von der lokalen Bevölkerung verwertet.

Das ländliche Tessin ist noch heute ein Abbild früherer Lebens- und Essgewohnheiten, die es so heute nicht mehr gibt. Es widerspiegelt den Speisezettel früherer Generationen und an der Tessiner Landschaft lässt sich die Geschichte der einheimischen Küche ablesen. Die Landschaft, die viele Touristen im Tessin so schätzen, spiegelt den Menüplan von einst und ist weitgehend von Menschenhand geschaffen. Wir haben vieles davon in den Agglomerationen zerstört und es dennoch glücklicherweise nicht geschafft, sie ganz zu verändern. Im Gegenteil, junge Winzer pflegen die uralten Ronchi wieder, Liebhaber der Landschaft säubern die Kastanien-Selven und lassen die guten alten Sorten wieder gedeihen. Die Grundnahrungsmittel für die einstige Landbevölkerung werden heute raffiniert zubereitet und zu qualitativ hervorragenden Leckerbissen aufgewertet.

Comments are closed.

« »