Steht eine neue Masseneinwanderung bevor?

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Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Das Thema ist in jeder Zeitung präsent, die Ängste vor ungebremster Einwanderung in die Schweiz ebenso. Vielleicht lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit um festzustellen, dass gerade in unserem Land Zuwanderung in grösserem Stil schon mehrmals vorgekommen ist. Von besonderem Interesse ist es aber, sich zu fragen, ob damals die Zuwanderung hätte verhindert werden können und wer eigentlich die Nutzniesser und die Verlierer dieser Migration waren. Der Begriff, der für ein Volk, das aus seinen angestammten Gebieten auswandert und schlicht und einfach bessere Lebensbedingungen und ein wirtschaftlich attraktiveres Umfeld sucht, hiess immer „Völkerwanderung“. Die drei grossen Sprachräume der Schweiz gehen auf dieses Phänomen zurück. Nur dürfen wir uns nicht vorstellen, dass auf einen Schlag Tausende von Menschen eingewandert seien. Der Vorgang konnte sich über längere Zeit erstrecken.

 

Im Schweizer Mittelland wurde über Jahrhunderte keltisch und – durch die römischen Truppen und Gebietsverwalter – lateinisch geredet. Im ganzen Alpenraum sprach man romanisch. Als das römische Reich seine ersten Schwächen zeigte und die straffe Organisation in unserm Land nachliess, nutzten dies die Alemannen, ein Volk aus Süddeutschland, das nach und nach grössere Teile der Schweiz eroberte und besiedelte. Die bestehende politische Struktur wurde aufgelöst, der technische und zivilisatorische Stand um Jahrhunderte zurückgeworfen. Von den Meisterleistungen, die in der Schweiz in römischer Zeit vollbracht worden waren (Städte- und Strassenbau u.v.a.) konnte fortan nur noch geträumt werden.

 

Auch an der Tatsache, dass in der Westschweiz französisch geredet wird, geht auf ein eingewandertes Volk zurück, das seine Sprache mitbrachte: Die Burgunder. Dort, wo die eingewanderten Burgunder auf die eingewanderten Alemannen stiessen, entstand die heutige Sprachgrenze oder anders gesagt, unser Röstigraben. Auch die italienische Schweiz trägt ein Erbe von Einwanderern in sich. Das Tessin gehörte lange Zeit zum lombardischen Raum, d. h. zur Region, die von den eingewanderten Langobarden mit geprägt worden ist. Diese stammen aus Norddeutschland, hatten aber genügend Zeit auf ihrer Wanderung Richtung Süden lateinisch zu lernen und haben somit eine romanische Sprache gesprochen, die allmählich zum Italienischen werden sollte.

 

Ist es also der Lauf der Geschichte, dass Wohlstandsgesellschaften der Gefahr ausgesetzt sind, von Einwanderern infiltriert zu werden und dass diese neue Bevölkerung nach und nach das politische Sagen hat? Mindestens einmal in der Geschichte hat jemand sich erfolgreich zur Wehr gesetzt: Der römische Feldherr Gaius Julius Caesar hat gemerkt, dass bereits zu seiner Zeit mehrere Völker nördlich des Bodensees gewaltig in Richtung Süden drängten. So zwang er kurzerhand die Helvetier (auch sie wollten auswandern, angeblich ins wärmere Südfrankreich!) ins Schweizer Mittelland zurückzukehren. Sie sollten dort eine Pufferfunktion übernehmen und die Stämme aus Süddeutschland daran hindern, nach Süden zu marschieren. Caesar hat also den damaligen Schweizern militärisch einiges zugetraut. Und siehe da, es hat funktioniert: Die Einwanderung konnte für mehrere Jahrhunderte gestoppt werden, bis dann die Alemannen es trotzdem geschafft haben, die Schweiz zu überrennen. Der Aufwand hat sich offenbar doch gelohnt…

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