Souverän oder nicht souverän?

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Ich liebe Fremdwörter, sie haben meistens einen faszinierenden Klang, ganz besonders, wenn sie aus der lateinischen oder griechischen Sprache stammen. So gefällt mir das Wort «souverän» immer wieder: Die Künstler an einem Konzert spielten souverän, eine Fussballmannschaft siegte souverän, eine Hockeymannschaft spielte zu Hause souverän auf, eine Mannschaft ignorierte ihren Gegner souverän, im Internet sind Regeln zu finden, wie man im Casino souverän spielen kann und so weiter. Der Begriff ist aber auch geläufig ausserhalb der Welt des Sports: Am Abstimmungssonntag melden Radio und Fernsehen am Abend: Der Souverän hat die Vorlage angenommen oder abgelehnt. Aber was bedeutet das Wort eigentlich? Es stammt vom lateinischen «supra», vergleich italienisch «sopra»: man steht oben, damit auch über der Sache und hat sie im Griff. Wir Schweizer sind stolz darauf, dass bei uns in der Politik ganz einfach das Volk oben ist, der oberste Gesetzgeber und nicht wie anderswo ein Diktator, ein Monarch oder das Parlament.

Da aber die Tatsache, dass das Volk das letzte Wort hat, nicht allen gefällt, hat man einen neuen Begriff geprägt: «Souveränismus». Wie alle Wörter auf -ismus (man denke an Faschismus, Kommunismus, Populismus usw.) hat dieser Ausdruck irgendwie einen negativen Beigeschmack. Es ist gewissen Leuten ein Dorn im Auge, wenn ein Volk oder eine Nation ihre Politik selbst in die Hand nimmt und sich nicht den Weisungen die von oben, z.B. von den Bürokraten aus Brüssel, kommen, fügt. Deshalb benutzen verschiedene Zeitungen in letzter Zeit immer wieder den schwerfälligen Begriff «Souveränismus» und erheben dabei den moralischen Mahnfinger. Wäre es nicht an der Zeit, dieses dubiose Fremdwort deutlich abzulehnen und es durch ein besser verständliches zu ersetzen? Sprechen wir doch in Zukunft einfach von «Selbstbestimmung» – dann weiss jeder, was gemeint ist! Selbstbestimmung ist nicht nur das Ziel unseres Landes, sondern ebenso ein persönliches Mittel von uns allen um jeder Bevormundung von aussen einen Riegel zu schieben.

 

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