Seltsame Steuern

Apr 29 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 594 Views • Commenti disabilitati su Seltsame Steuern

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Den Bürger vor allzu hohen Steuern zu bewahren – das haben sich viele Kandidaten für politische Ämter auf die Fahne geschrieben. Sind sie dann einmal im Amt, sieht die Situation ganz anders aus. Die Forderungen an den Staat sind ja bekanntlich grenzenlos, jeder möchte an das staatliche Geld (sprich: an das Geld der anderen) herankommen. Und da braucht es Mut, Grenzen zu setzen. Wer nicht Lust hat, sich unbeliebt zu machen, dem bleibt nur übrig, die Steuern zu erhöhen oder neue Abgaben einzuführen. Die Geschichte ist reich an Beispielen.

 

Kaiser Vespasian, der im 1. Jahrhundert das römische Reich regierte, kam auf die glorreiche Idee, öffentliche Toiletten zu besteuern. Bekanntlich besteht aber immer die Tendenz der Bürger, die Steuern zu umgehen. Die Reaktion auf die ungeliebte Massnahme liess auch in diesem Fall nicht lange auf sich warten: Nach und nach wurden immer mehr dieser Bedürfnisanstalten geschlossen, was die Ausbreitung von Seuchen förderte. Das geflügelte Wort „Geld stinkt nicht“ (lat. pecunia non olet) erinnert noch heute an die kaiserliche Steuer.

 

Kaiser Otto IV. erfand im ausgehenden Mittelalter eine weitere Steuer: Ritter, die sich dem sogenannten Minnedienst widmeten, also der Verherrlichung schöner Frauen, wurden zu einer Abgabe verpflichtet. Zar Iwan IV brauchte Geld fürs Militär und hat zu diesem Zweck eine Gewehr- und eine Schützensteuer erfunden. Ebenfalls in Russland hat Zar Peter der Grosse neue Ideen gehabt, wie er an Geld kommen konnte: Er führte eine Steuer auf Bärte, Mützen und Stiefel, Bäder, Eichensärge ja sogar auf Gurken, Nüsse und Bienen ein. Bartträger mussten auf der Strasse jederzeit nachweisen können, dass die entsprechende Abgabe auch bezahlt worden war, sonst wurden sie in aller Öffentlichkeit rasiert.

 

In anderen europäischen Monarchien zur Zeit des Absolutismus setzte man auf Fenster-, Strumpf- und Hufsteuern. Auch Besitzer von Karossen und Silbergeschirr waren abgabepflichtig. Der Phantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Und mit welchen neuen Steuern und Abgaben werden wir in der nächsten Zeit uns herumschlagen müssen? Es bleibt ein kleiner Trost: In einer Demokratie kann der Stimmbürger in einem gewissen Mass mitreden, welche neuen Abgaben eingeführt werden sollen…

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