Schweizerpsalm ade?

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Leserbrief

 

Offener Brief an die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft

 

Herr Präsident, liebe ehemalige Vorstandskollegen,

 

Auch als ehemaligem Gotthardmitrailleur und ebenso langjährigem Gebirgsoffizier in den Zentralalpen müssen Sie mir diesen aufmüpfigen offenen Brief nachsehen.

Sie wollen also unsere Nationalhymne „modernisieren“ respektive neu texten. Dabei ist doch jedes Wort darin so wahr und echt, so aktuell erhaben und von so sehr andauerndem Gehalt. Ihre Abneigung gegen den heutigen Text kann ich mir nicht erklären oder dann höchstens aus einer ignoten, verweichlichten und bürokratisch devoten Geisteshaltung heraus.

 

Erinnern Sie sich denn nicht mehr an eine fast die ganze Schweiz umspannende Morgenröte in unseren Bergen oder an den Zauber eines Sonnenuntergangs auf einem Gletscher? Ist Ihnen die Vorstellung von pausenlosem Blitz und Donner, wo sich der Alpinist ohnmächtig und schutzsuchend, aber auch wunderbar geborgen in eine Felsspalte drängt, abhanden kommen?

 

Wäre es nicht würdevoller, Ihre brach liegenden Millionen für eine gemeinnützigeren Zweck zu verwenden als für einen unfrommen Textabänderungswettgewerb?

Auch der Schweizerische Alpenclub SAC, der soeben sein 150jähriges Bestehen gefeiert hat, würde es Ihnen danken. Also auf in die Berge und dann nochmals über die Bücher! Ex montibus salus.

 

Ihr ergebenes langjähriges Vorstandsmitglied,

Hans Scharpf, Zürich

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