Scheinhelden

Lug 12 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 142 Views • Commenti disabilitati su Scheinhelden

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Gefeiert wird sie wie eine Heldin – besonders in Deutschland: Carola Rackete hat im italienischen Lampedusa die Landung am Hafen gegen den Willen der Küstenwache erzwungen. Man muss bekanntlich seine Heldentaten immer dort vollbringen, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist. Italien hat natürlich das getan, was die Menschlichkeit und das Mitgefühl mit den Flüchtlingen in (künstlich geschaffener) Seenot unbedingt notwendig war: Die Flüchtlinge sind aufgenommen worden und medizinisch und anderweitig versorgt worden. Nun geht es aber um die Folgen dieser «Heldentat». Die Nachricht wird schnell (Flüchtlinge haben ja Handys) in den Herkunftsländern ankommen und sie lautet: Nach Europa zu gelangen ist zwar gefährlich und riskant, aber es gelingt den meisten. Die Zusammenarbeit der Schlepper mit den Hilfsorganisationen läuft gut. Die Aufnahme in Südeuropa ist gesichert, die Flüchtlinge werden erwartet und man hilft ihnen. Die Aufgenommen werden dafür besorgt sein, dass scharenweise Verwandte und Freunde den Weg nach Europa auch schaffen.

Nun würde aber die Arbeit für die selbsternannten Helden eigentlich beginnen. Nun geht es darum, das Übel (sprich: die Gründe für die Auswanderung) an den Wurzeln zu packen – und das kann man nur in den Herkunftsländern der Flüchtlinge tun. Abgesehen von Klimaflüchtlingen, die wegen der Trockenheit keine andere Wahl haben als ihre Heimat zu verlassen, geht es ja in den betreffenden Ländern meist um von Menschen verursachte Probleme: Mangelnde Demokratie, Unterdrückung von Minderheiten, politische Inkompetenz und vieles mehr wäre hier zu bekämpfen. Eigentlich genügend und absolut zentrale Aufgaben, da wäre nun Carola Rackete zusammen mit ihren sogenannten Hilfs-Organisationen gefragt. Den potenziellen Auswanderern wird am besten geholfen, wenn die Zustände in ihrer Heimat verbessert und geändert werden. Das aber braucht viel mehr Mut als mit einem Schiff ohne Erlaubnis in einen Hafen eizufahren. Vor den Gerichten in den afrikanischen Ländern hat man offenbar mehr Angst als vor den zivilisierten und menschlichen Gerichten in Italien.

In diesen Tagen haben wir uns an die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386 erinnert, also an den Konflikt zwischen der noch jungen Eidgenossenschaft und den Habsburgern. Gibt es da nicht einen Zusammenhang mit den heutigen Flüchtlingsströmen? Was wäre eigentlich damals in der Innerschweiz geschehen, wenn die Eidgenossen sich vor dem Kampf gegen die habsburgische Feudalherrschaft gedrückt hätten und den einfacheren Weg gewählt hätten: Sie hätten doch einfach auswandern und sich in anderen Gebieten der Welt niederlassen können? Die Habsburger hätten sich darüber riesig gefreut. Sie hätten ihre Macht über weitere Schweizer Gebiete ausdehnen können, weil sich ihre unzufriedenen Untertanen feige aus dem Staube gemacht hätten. Genauso geschieht es heute: In den Herkunftsländern unserer Flüchtlinge freut man sich gewaltig über jeden, der das Land verlässt. Undemokratische und machthungrige Eliten brauchen keine Widerstände mehr zu fürchten: Carola Rackete und ihre Organisationen haben den Mut nicht, dort einzugreifen, wo es nötig wäre. Man demonstriert ja schliesslich gegen die undemokratischen Zustände in der Türkei auch nicht in Istanbul, sondern in Bern, Berlin oder Rom…

Comments are closed.

«