Roboterisierung quo vadis?

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Rolando Burkhard

Die Automatisierung, Digitalisierung und Roboterisierung schreiten mit Riesenschritten voran. Roboter mähen bereits unseren Rasen, reinigen unsere Wohnungen, operieren uns in den Spitälern etc.etc. Bald steuern wir unsere Autos nicht mehr selber, die Postpakete werden von Drohnen gebracht, an den Kassen unserer Supermärkte gibt’s keine Kassiererinnen mehr, und Roboter bereiten gar in der Küche unsere Speisen nach Standardrezepten zu. Wir steuern auf eine Welt zu, in der praktisch keine Routinearbeiten mehr anfallen.

Was bleibt da anderes übrig, als einfach Hurra ! zu schreien ? Was mich betrifft, ist es allerdings eine eher getrübte Freude. In einer jüngsten NZZ-Beilage zu diesem Thema wurde die Frage aufgeworfen: „Was werden all die Menschen tun, deren Jobs durch Technologie ersetzt werden ?“. Die Antwort des Experten lautete: „Es ist viel zu früh, zu behaupten, dass die Menschen in fünf oder zehn Jahren keine Arbeit mehr haben werden“.

Diese ausweichend-unverbindliche Expertenantwort fusst auf der Hoffnung, wir alle würden dann mit der Zeit schon andere, neue routinebefreit kreativere Beschäftigungen finden. Da hege ich allerdings allergrösste Zweifel.

Es sind nun einmal nicht alle Menschen dazu geboren, Hochschulprofessoren zu werden. Obschon viele Eltern das hinsichtlich ihrer Kindern glauben und sie teils gegen ihren Willen aus Prestigegründen in akademische Laufbahnen drängen. Die zunehmenden Studienflops an unseren Universitäten sprechen Bände. Ein mir bekannter (heute nicht mehr so) junger Mann, der mit Ach und Krach…durch drei Studiengänge (zuerst…) quälte, kläglich scheiterte und heute ohne regelmässige Arbeit dahsteht und sich zuhause von den Eltern aushalten lässt, gestand mir: „Ich wäre doch so gerne Automechaniker geworden…!“.

Ja, was werden wir dereinst tun, wenn die so genannten Routinearbeiten sukzessive alle durch Roboter verrichtet werden ? Wohin mit all den Arbeitslosen, die es nicht in die neuen „höheren“ Berufssphären geschafft haben ? Wohin mit dem beängstigend rasch anwachsenden Riesenheer von Migranten, die auch nach mühsamer jahrelanger und superteurer Schulung kaum eine Landessprache zu erlernen vermögen, geschweige denn, eine selbsttragende Beschäftigung zu finden (stattdessen unbeschäftigt in unseren Städten herumlungern und kriminell werden) ? Verfrachten wir die alle wie bisher in die Arbeitslosenversicherung und/oder in die Sozialhilfe ? Wie lange könne wir uns das leisten ?

Die Notwendigkeit der Roboterisierung wird von der Wirtschaft generell mit der höheren Wirtschaftlichkeit begründet. Nun ja, Roboter arbeiten 24 Stunden am Tag, brauchen keine Ferien, sind nie krank (?) und beziehen dereinst keine AHV. Aber wer trägt die Kosten für all jene Nicht- bzw. Nichtmehr-Beschäftigten (Menschen), die durch die Roboter ersetzt wurden ? Natürlich der Steuerzahler. Die Beurteilung, für wen die Endrechnung aufgeht und für wen nicht, überlasse ich dem geneigten Leser.

Kommt hinzu, dass mit der zunehmenden Mechanisierung die menschlichen Kontakte zusehends verarmen und mitunter das Leben komplizieren. Man hat’s immer mehr nicht mehr mit Menschen, sondern mit Maschinen zu tun. Statt am SBB-Schalter bei einer sympathischen Angestellten bei einem scherzhaften Schwatz in zwei Minuten ein Billet Locarno-Bern retour 2. Klasse zu lösen, tippe ich eine Viertelstunde lang Daten in einen Automaten ein und kriege dann prompt das falsche Ticket oder auch gar nichts weil er nicht funktioniert, und zwischenzeitlich fährt mein Zug ab. Oder versuchen Sie es mal mit einem Telephonproblem bei der Swisscom. Früher reichte ein kurzer Anruf bei der PTT, und das Problem wurde durch einen kompetenten freundlichen PTTler im Nu gelöst. Und heute….? Nachdem Sie sich mühsam durch die automatische 0800er Nummer durchgetippt haben und das Glück haben, dass der vierte Gesprächspartner ihr nunmehr zum vierten Mal vorgetragenes Problem überhaupt versteht (aus sprachlichen, teils technischen Gründen) sind Sie bereits einen grossen Schritt weiter in Richtung seines angebotenen Abschlusses eines neuen und selbstverständlich teureren Swisscom-Abos für Zusatzdienstleistungen, die Sie gar nicht benötigen.

Ja, diese Roboterisierung. Sollen und können denn dereinst mal Roboter auch meinen blockierten Küchenablauf entstopfen oder meine fast neue Waschmaschine reparieren ? Nun ja, letzteres Problem stellt sich in der Praxis eigentlich gar nicht mehr. Denn reparieren lohnt sich preislich kaum noch, da kommt es viel billiger, auch beim kleinsten Defekt gleich ein neues Gerät zu kaufen – eines, das selbstverständlich in einem vollautomatisierten Herstellerbetrieb von Robotern produziert wurde.

Eine Nachbemerkung: Die jüngeren Leser, die sich problemlos durch die digitale Welt schlagen, werden mich jetzt wohl wegen meiner senilen Technologieskepsis belächeln. Doch aufgepasst: Gerade viele unserer Jungen werden es in Zukunft, viel mehr als ich, schmerzhaft mit der aufgezeigten Problematik zu tun bekommen.

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