„Politisch korrekt?“

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Viele gehen heute nach dem Motto: Lieber „politisch korrekt“ daherkommen als eine eigene Meinung haben. (Bild: Wikimannia.org)

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

In der Schule haben wir vor langen Jahren unsere Muttersprache erlernt und glaubten, einigermassen korrekt schreiben zu können. Stimmt nicht mehr! Dass es keine „Fräuleins“ mehr gibt, ebenso, dass aus Putzfrauen Raumpflegerinnen geworden sind, hat man uns längst schon beigebracht. Auch soll niemand das Wort Neger in den Mund nehmen, allenfalls sind es Schwarze, Farbige oder noch besser Afrikaner. Die Ureinwohner von Nord- und Südamerika sind natürlich keine Indios. Wer sicher gehen will, nennt sie heute Indigene. Etwas leichter kann der Wechsel von „Behinderten“ zu „Menschen mit Behinderung“ oder „Physisch Herausgeforderten“ nachvollzogen werden. Es stellt sich immer wieder die Frage: Wer bestimmt eigentlich, was als korrekt gelten kann und was nicht? Den Lehrlingen (verpönt sind alle Wörter auf –ing) und den Studenten (nur männliche Form) hat man den Kampf angesagt. Jede Zuteilung zu einem Geschlecht ist suspekt. Alle möchten doch geschlechtsneutral daherkommen. Allzu oft hat man in der Vergangenheit die Menschheit nur in der männlichen Form beschrieben. Ob Begeisterung aufkommt, wenn die ärztliche Schweigepflicht heute so dargestellt wird: „Grundsätzlich untersteht jeder Arzt / jede Ärztin der Schweigepflicht – es gibt jedoch Ausnahmen – wenn der Patient / die Patientin die Ärztin / den Arzt von der Schweigepflicht entbindet, darf diese / r Auskunft erteilen – der / die behandelnde Arzt / Ärztin ist verpflichtet, den Kantonsarzt / die Kantonsärztin über Infektionskrankheiten zu informieren.“

Bei Ausdrücken wie „Abzocker“, „Chaoten“ und „Alkoholiker“ ist eigenartigerweise nie versucht worden, die weibliche Form zu verwenden. An einigen amerikanischen Universitäten darf unterdessen auch der Begriff „Frau“ nicht mehr gebraucht werden, weil er die Freiheit zur Selbstbestimmung der geschlechtlichen Identität verletzt. Die Umbenennung ist ein Trost für alle, die wir früher als „dumm“ bezeichnet haben, sie stehen heute viel besser da, denn sie werden nun als „Bildungsferne“ und „vom Bildungssystem nicht Erreichte“ angesehen. Wer seinerzeit den Unterricht gestört hat, war „verhaltensgestört“, heute darf er / sie seine Störaktionen mit gutem Gewissen durchführen, er / sie geniesst eine sehr positive Bezeichnung als „verhaltensauffällig“ oder noch besser „verhaltensorginell“. Und originell möchten wir doch alle sein?

Auch Haustiere sind von den geforderten Umbenennungen nicht verschont: „Fiffi“ und „Wuffi“ sind zu „Begleittieren“ geworden – ihre Herrchen, pardon Frauchen haben auch neue Namen, sie sind die „menschlichen Begleitpersonen“. Und „wilde Tiere“ gibt es auch keine mehr, höchstens noch „freilaufende Tiere.“ Dass wir beim Verzehr von Mohrenköpfen dringend einen anderen Namen suchen müssen, wissen wir alle – der Begriff „Mohr“ für einen Menschen mit dunkler Haut ist schon lange verdächtig: So wie wir sprechen, denken wir auch, das wirft man uns ja vor. Aber was machen wir mit all den Menschen, die den Vornamen Mauro (der Mohr, eigentlich eine ganz harmlose Herkunftsbezeichnung für Menschen, die aus Mauretanien stammen) tragen, wann verbieten wir ihnen das Tragen des Namens? Und der Name Mauro (lat. Mauricius) ist ja leicht abgeändert worden zu Mauritius, was im Deutschen den Moritz ergeben hat. Sollen wir auch diesen Namen verbieten? Dann müssten logischerweise auch eine Reihe von Orten einen Namenswechsel beantragen: St. Moritz und Saint Maurice – man kann doch in der heutigen Zeit der sog. „politischen Korrektheit“ nicht mit dem Namen des heiligen Mohren auftreten…

 

 

 

 

 

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