Orte der Kraft im Tessin

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Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

In den Hochsommermonaten verbringen viele von uns an heissen Tagen einige Stunden an den zahlreichen idyllischen Flussufern unseres Kantons. Erfrischt durch das kühle Nass und gestärkt durch das beruhigende Fliessen des Wassers kehren wir zurück in den Alltag. Wer dieses Erlebnis noch intensiver haben möchte, sucht einen der zahlreichen Wasserfälle in unseren Tälern auf. Es ist wohl ganz individuell, wo ein jeder von uns in der Natur Kräfte tankt. Andere zieht es in die Höhe und sie geniessen von erhöhten Aussichtspunkten den Blick auf die Ebene. Dabei stellen wir fest, dass unsere Vorfahren gerade für den Bau der Kirchen einmalige Standorte gewählt haben. Schon Hermann Hesse hat auf seinen Streifzügen durch das Tessin festgestellt, dass der Standort unserer Kirchen meist ganz speziell ist, man denke an Lugano, Ronco oberhalb von Ascona, S. Abbondio bei Gentilino, an die Madonna del Sasso über Locarno und zahlreiche andere. Wo in Römerzeiten ein Tempel stand, steht jetzt eine Kirche, wo damals die kleine primitive Steinsäule für einen Waldgott errichtet wurde, steht jetzt ein Kreuz, wo damals das kleine ländliche Heiligtum einer Quellgöttin war, steht heute der Bildstock eines Heiligen.

Was liegt näher, als all diesen besonderen Orten im Tessin nachzugehen und dabei persönliche Erfahrungen zu machen, wie sie auf uns wirken. Claudio Andretta, ein Tessiner Spezialist für solche Kraftorte, hat dies getan und seine ausgedehnten Forschungen in einem Buch in diesem Jahr der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt: „Orte der Kraft im Tessin“ heisst das Buch und ist im AT Verlag, Aarau, in deutscher Sprache herausgekommen. Eine italienische Ausgabe wird folgen. Andretta stellt in seiner Publikation klar, dass es unzählige Formen von Kraftorten gibt. „Wer auf Entdeckungsreise in die Welt der Kraftorte geht, dem wird die grosse Vielfalt bald klar. Es gibt zauberhafte Stellen in der Natur, Quellen, Bergseen, besondere Felsen, aber es gibt auch Orte der Stille in der Stadt wie in manchen Kirchen und Klöstern. Selbst zuhause findet sich meist ein Zimmer oder eine Sofaecke, die den nach Ruhe und Erholung Suchenden zu sich einladen und zu seinem ‚Kraftort‘ werden können. Um einen Kraftort zu finden, müssen Sie aber kein Experte sein und sich auch nicht viel Wissen aneignen, denn die persönliche Wahrnehmung zeigt, wo wir uns wohlfühlen und wo nicht.“

Vielleicht ist es gerade diese Fülle von Orten, an denen wir Kraft tanken, die seit mehr als hundert Jahren Menschen aus dem Norden auf die Alpensüdseite gelockt hat um sich zu entspannen und Energie aufzuladen. Das milde Klima, die Alpen und die grossen Seen, die Palmen und andere exotische Bäume, die Täler und Wälder, die Steinhäuser und Steinmauern, der mediterrane Lebensstil und Charme haben ein weiteres getan. Wer Andrettas Buch liest findet einen umfassenden Führer in die Täler und Berge, zu den Bergseen, Wasserfällen und Flüssen, durch unsere romantischen Schluchten aber auch durch unsere Städte oder zu den Schalensteinen in unseren Wäldern. Er lernt zudem bei der Lektüre auch einer Reihe von Deutungsversuchen zur Entstehung der überall vorhandenen Kraftorte. Einiges mutet beim Lesen anfänglich seltsam und fremd an, andere Zusammenhänge erscheinen uns dank der einfachen und klaren Schilderung von Andretta plausibel und wir entdecken mit grossem Erstaunen, dass unsere Vorfahren beim Bau von Dörfern und Kirchen Kenntnisse und Prinzipien beachtet haben, die heute längst in Vergessenheit geraten sind.

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