Neutralität – aktueller denn je

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Im Bild: Der Wiener Kongress 1814/15 hat die Neutralität der Schweiz angeordnet (Kupferstich von J. Godefroy).

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Meine Generation – geboren wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg – kennt den Krieg nicht mehr. Militärische Auseinandersetzungen in unseren Nachbarstaaten sind Ereignisse die wir nicht erlebt haben. Wir gingen davon aus, dass nun für immer Friede in Europa herrsche. Die Bedrohungen des Kalten Krieges haben wir zwar ernst genommen – umso mehr waren wir aber erleichtert, als sich die Situation am Eisernen Vorhang 1989 entschärft hatte. Wir haben gehofft, dass sich durch die Öffnung der osteuropäischen Staaten eine stabile Situation in Europa ergebe. Ich habe immer daran geglaubt, dass es möglich sein müsste, auch mit Russland eine gute Zusammenarbeit aufzubauen. Umso mehr erstaunt es mich heute, dass es nicht gelungen ist, die Russen ins gemeinsame Boot zu holen. Wer ist schuld? Meiner Meinung nach hat in dieser Hinsicht die EU in den letzten Jahren komplett versagt. Putin wird als der gefährliche Mann dargestellt, vor dem man sich hüten müsse. Vielleicht ist es ganz anders und Russland hat Angst vor dem Westen? Schliesslich war es in der Vergangenheit fast immer der Westen, der Russland angegriffen hat: Von Napoleon bis Hitler waren es die Westeuropäer, die versuchten den Nachbarn am östlichen Rand von Europa zu unterwerfen.

Heute sind wir ganz unerwartet in einer Situation der gegenseitigen Drohgebärden: Die Russen halten Manöver an ihrer Westgrenze ab. Sie drohen mit Raketen mit Atomsprengköpfen und Flugzeugträgern die demonstrativ über die Meere fahren. Die NATO spielt alle möglichen Szenarien eines Angriffs aus dem Osten durch. Mehrere Länder fordern ihre Bürger bereits wieder auf, genügend Notvorrat bereit zu halten. Glaubt man gewissen Berichterstattern in den Medien, so ist die Situation sehr ähnlich wie kurz vor den beiden Weltkriegen. Angesichts dieser Lage stellt sich die Frage, welche Position die Schweiz einnehmen soll. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn wir uns wiederum ernsthaft auf die Neutralität besinnen, die uns vor 200 Jahren am Wiener Kongress auferlegt wurde und mit der wir seither eigentlich ganz gut gefahren sind? Das würde bedeuten, Abstand zu nehmen von all den stupiden wirtschaftlichen Sanktionen, die in den letzten Jahren verhängt worden sind. Wenn wir uns neutral verhalten, so haben wir durchaus die Möglichkeit, wiederum unsere altbewährten „Guten Dienste“ als Mediatoren anzubieten und damit international wieder ernst genommen zu werden.   

 

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