Lago Maggiore: viele offene Fragen

Mar 10 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 120 Views • Commenti disabilitati su Lago Maggiore: viele offene Fragen

Italien besitzt auf dem Lago Maggiore eine stattliche Flotte: Vom nostalgischen Dampfschiff «Piemonte» (1904) bis zum hochmodernen Motorschiff «Zeda» (2015)

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Im Tessin gehört es leider zum guten Ton sich in den Medien abfällig über unsere italienischen Nachbarn zu äussern. Grenzgänger, Verkehr, grenzüberschreitende Zusammenarbeit… So sind in den letzten Jahren Stimmen laut geworden, wir sollten auf dem Schweizer Seebecken des Lago Maggiore die Linienschifffahrt in die eigenen Hände nehmen. Dieses Ziel wurde so hartnäckig verfolgt, bis im vergangenen Jahr die italienische Gestione Governativa Navigazione Laghi angekündigt hat, den Regionalverkehr auf dem Schweizer Becken an die Schweiz abzutreten. In den letzten Jahren wäre genügend Zeit gewesen um sich auf die neue Situation seriös vorzubereiten. Die Realität sieht anders aus: Wenige Wochen vor Ostern steht an unseren Häfen kein einziges Schiff zur Verfügung, es kam bis Anfang März kein Konsortium zu Stande, das die Schifffahrt betreiben könnte und es fehlt das Geld um den defizitären Betrieb gewährleisten zu können. Ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten für die Bewohner des Gambarogno, die seit Jahresbeginn keine direkten Verbindungen mehr nach Locarno haben. Wo sind die «Experten», die uns vorgegaukelt haben, es gäbe eine praktikable Alternative zum bisherigen italienischen Angebot?

Es stellen sich in diesem Frühjahr viele Fragen: Wer hat eigentlich Bundesrätin Doris Leuthard beeinflusst, dass sie bei ihren Verhandlungen mit dem italienischen Minister Delrio auf ein Projekt, das überhaupt nicht seriös vorbereitet wurde, eingestiegen ist? Welche Rolle spielten die Gewerkschaften mit ihrem Streik im vergangenen Jahr? Sie haben sich um die Angestellten ohne Arbeit gekümmert aber dabei vergessen, dass es für Fahrten auf dem See neben Matrosen auch Schiffe braucht und eine erfahrene Schifffahrtsgesellschaft. Wo sind die Investoren, die fürs Tessin neue umweltfreundliche Schiffe bauen lassen wollten? Wo soll die notwendige Werft gebaut werden, etwa in Ascona oder in Locarno? Warum träumen Schweizer Visionäre bereits von einem schwimmenden Steg des Künstlers Christo von Ascona zu den Brissago-Inseln statt konkrete Schritte einzuleiten, die eine Schifffahrt in diesem Frühling ermöglichen?

Für den Beginn der touristischen Saison ist eine praktikable Lösung gefragt. Wie wäre es, wenn das Tessin die italienische Schifffahrtsgesellschaft einfach darum bitten würde, wie bisher die Fahrten auch auf dem Schweizer Seebecken durchzuführen. Dabei müssten natürlich der Kanton Tessin oder die Eidgenossenschaft für das Defizit aufkommen (wie das bei Eisenbahn- und Buslinien der Fall ist). Der Vorteil dieser Lösung: Die benötigten italienischen Schiffe sind im Winter gewartet worden und stehen jenseits der Grenze bereit. Vermutlich wird es aber für die «Experten» schwierig sein zuzugeben, dass im Tessin niemand in der Lage war, rechtzeitig gute Schiffsverbindungen auf die Beine zu stellen, wie die Italiener sie jahrelang angeboten haben. Wir alle hoffen auf Wunder – an Ostern werden wir wissen, ob auf dem Lago Maggiore Wunder möglich sind.

 

 

 

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