Kommunikationsfragen

Apr 6 • Deutsche Seite • 1052 Views • Commenti disabilitati su Kommunikationsfragen

Humoreske

Ein Lustspiel in 4 Akten

 

Akt 1

 

NSA-Headquarters Süd Nähe Washingtons, Office des NSA-Chefüberwachers Region Schweiz, Jim …. *). Jim schaut ungeduldig auf seine Uhr. Da klopft es an die Tür, und herein tritt Jack ….*), NSA-Chefüberwacher CH/Bern-Bundeshaus.

 

Jim (zu Jack): „Na endlich bist du da. Wir haben ein Riesenproblem, eben hat mir nochmals unser Mr. President angerufen. Warum kriegen wir keine Infos mehr aus dem Berner Bundeshaus ? Kein einziges Abhörergebnis mehr über die internen Telefonate zwischen den Bundesräten, und aus dem Sitzungszimmer des Bundesrats sind seit Wochen nur noch vierzehntäglich Staubsaugergeräusche und Lieder summende Putzfrauen zu hören. Was ist los ?“

 

Jack: „Weiss auch nicht, hat mich auch gewundert, vielleicht haben die Bundesräte einander seit dem 9. Februar einfach nichts mehr zu sagen, oder jeder von ihnen sagt ohne Konsultation der anderen einfach öffentlich nur noch das, was er selber denkt. Ich weiss auch nicht so recht, was man da tun kann.“

 

Jim: „So einfach ist das nicht, wir müssen etwas unternehmen. Mr. Präsident ist äusserst besorgt über diese unheilvolle Stille aus diesem helvetischen Epizentrum der Macht. Ich schlage vor, dass unser CIA-Büro in Genf unseren Botschafter…nein besser und unverdächtiger wohl den Botschafter des Landes Xenopotanien *)… damit beauftragt, in einem unverbindlichen Gespräch mit Burkhalter (etwa über die Krim oder anderes Marginales) etwas von ihm herauszufinden.“

 

 

Akt 2

 

Büro von Bundespräsident Burkhalter. Didier schaut ungeduldig auf seine Uhr. Da klopft es an die Tür, und herein tritt der Botschafter Xenopotaniens *). Stillschweigend setzen sich die beiden an einen kleinen Tisch. Etwas verwundert schaut der Botschafter auf den grossen Konferenztisch im Bundesratszimmer, der völlig belegt ist mit einer ganzen Reihe von grösseren Holzkisten. Auf jeder dieser Kiste ist je eine Etikette aufgeklebt, darauf vermag er zu lesen: „Alain“, „Simonetta“, „Ueli“, „Doris“…doch dann ergreift Burkhalter das Wort.

 

Burkhalter: „Lieber Herr Botschafter, was führt Sie zu mir ?“

Botschafter: „Nun ja, Herr Bundespräsident, es geht um…“

 

Das Gespräch zwischen den beiden wird jäh unterbrochen von einem unüberhörbaren Geräusch eines flatternden Vogels auf dem Fenstersims des Bundesratszimmers. Bundespräsident Burkhalter wird plötzlich sehr ungeduldig, wendet sich an den Botschafter.

 

Burkhalter:  „Das war ein sehr interessantes und konstruktives Gespräch, aber nun habe ich leider dringende Staatsgeschäfte zu erledigen. Könnten wir uns vielleicht nächstes Jahr wieder sehen ?“

 

 

Akt 3

 

Büro von Bundespräsident Burkhalter. Der Botschafter wurde höflich hinaus komplimentiert. Didier Burkhalter eilt ans Fenster, wo der Vogel ungeduldig auf ihn wartet. Es ist eine Taube. An deren linkem Bein ist eine Kapsel angeheftet, darin ist ein kleines Papierröhrchen.

 

Burkhalter liest auf dem Papierröllchen den folgenden Text: „Geschäft Nr. 3481, Vielleicht, Doris“.

 

Burkhalter ist etwas verunsichert, die CVP kann sich offenbar, wie üblich, nicht entscheiden. Doch da flattert es schon wieder am Bundesratsfenster. Burkhalter sagt seinem PM (persönlichen Mitarbeiter), er solle schauen gehen.

 

PM (liest die Mitteilung auf dem Papierröllchen laut vor): „Nein, Ueli“, und meint: „Aber da fehlt ja jeder Hinweis auf das zutreffende Bundesratsgeschäft“.

 

Burkhalter: „Spielt überhaupt keine Rolle, Ueli sagt ohnehin zu jedem Geschäft nein. Nimm besser die beiden Tauben „Alain“ und „Simonetta“ und schick sie los mit der Anfrage, was sie denn zu Geschäft 3481 meinen, denn nur deren Meinung zählt wirklich. Übrigens: Glaubst Du nicht auch, dass unser neues Brieftaubensystem sich bewährt, wir haben seither keine Indiskretionen mehr aus den Mitberichtsverfahren und den unnötig gewordenen Bundesratssitzungen, und die NSA kann uns am A… lecken ?“. 

 

 

Akt 4

 

NSA-Headquarters, Washington.

 

Jack (zu Jim): „Unser Agent in Bern hat leider nichts herausgefunden. Aus Bern immer noch totale Funkstille, keine Ahnung wieso. Was sollen wir tun ? Vielleicht weiss der Snowden mehr, sollen wir ihn mit einer US-Ehrenverdienstmedaille heim locken ? “

 

Jim: „Von den schlauen Schweizern lassen wir uns nicht übertölpeln. Wir machen folgendes: Wir beauftragen unseren Aussenminister Kerry, den Schweizern das folgende vorzuschlagen: Wir USA übernehmen ihr derzeitiges Hauptproblem, den Kriminellen „Carlos“, und versenken ihn in Guantanamo. Dahingegen fordern wir von den Schweizer Bundesräten, dass sie wieder miteinander sprechen, und dass sie dafür nach wie vor nur solche US-Kommunikationseinrichtungen benutzen, wo wir auch mithören können.“

 

Ronco

 

 

*) Namen und Länderangaben sind der Redaktion bekannt

  

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