Ketzerische Sommergedanken

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Black Rot

Black Rot

Sommer. Endlich. Hoffentlich, soweit das Klima das denn zulässt. Ein paar Wochen ohne Politik. Ohne EU, ohne MEI, ohne alles. Endlich ein paar Tage wohlverdienter Ruhe, unterbrochen nur von den üblichen Alltagsmeldungen: Islamistisch inspiriertes Attentat mit über 80 Toten in Nizza, Putschversuch in der Türkei, etc.etc. Was soll’s ? Man nimmt’s kurz zur Kenntnis und geht zum persönlichen Tagesgeschäft über. In den nächsten Nachrichten wird man dann schon noch früh genug erfahren, ob die Anzahl Toter weiter gestiegen ist.

 

Sommer = Ferien. Wohin gehen ? Natürlich ins Tessin. Wohin denn sonst ? Ins weltweit terroristisch bedrohte ferne Ausland ? Nach dem interkulturell bereicherten Italien ? Nein, denn die afrikanische Kultur würde ich – falls möglich – lieber vor Ort kennen lernen.

 

Also Mitte Juli ab ins Tessin. Nicht weil ich es eigentlich möchte. Im Sommer meide ich möglichst die Reise dorthin, aber meine Rebberge bedürfen der Pflege. Ich nehme den üblichen Stau vor dem Gotthard in Kauf und kämpfe mich durch die endlosen holländischen Wohnwagen-Kolonnen. Hoffentlich reisen all diese Holländer, die gar ihre Milch in Pulverform mitbringen um hier keine Frischmilch einkaufen zu müssen, die hier nichts als ihre Abfälle hinterlassen, weiter nach Italien. Und bleiben nicht gar noch in einem unserer Campings hängen. Falls ja, stelle ich mich zynisch auf die Seite der Stechmücken.     

 

Sommerferien im Tessin. Die Einheimischen selber haben sich soweit möglich alle in ihre Berghütten gerettet und nach dem „Prinzip der verbrannten Erde“ ihr Territorium verlassen. Sie überlassen es den stechmückengeplagten Holländern, den exhibitionistischen Nacktbadern in Avegno und den Event-Touristen. Ja, denn der touristisch offerierte Charme des Kantons scheint sich auf wenige, ein paar Tage dauernde Events zu konzentrieren: Filmfestival in Locarno, Jazz-Festival in Ascona, Magic Blues im Valle Maggia etc. Nun ja, einige zusätzliche Hotelübernachtungen wird auch das sogar für die schlimmsten Hotels wohl bringen. Ein nachhaltiger und qualitativer Tourismus ist es allerdings nicht. Den wird auch die NEAT nicht bringen. Illusionen. Gotthardfeierlichkeiten hin oder her.  Marco Solari mag hier wohl völlig anderer Ansicht sein.

 

Sommer. Ferien. Freizeit. Entspannung. Gut, aber das liesse auch Zeit, um über wichtige Dinge im Kanton nachzudenken. Denn da stimmt vieles nicht. Aber lassen wir es für einen Moment. Ich wünsche allen schöne und erholsame Ferien.

 

 

 

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