Herz ist Trump(f)

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Eros N. Mellini

Eros N. Mellini

Editorial

 

Wer etwas vom Jassen versteht, dem wird das Wortspiel im Titel dieses Editorials nicht entgangen sein. Bei diesem Kartenspiel (etwa beim Schieber) geben die Spieler abwechslungsweise für die jeweils zu spielende Runde die Farbe bekannt, die (aufgrund ihrer Karten) als Trumpf gelten soll.

 

Im Spiel der internationalen Politik – welches die Schweiz bedeutend weniger gut beherrscht als das Jassen – ist nun unlängst neben den guten Karten (wenige), den niederen Spielkarten (viele) und den Atouts etwas ins Spiel gebracht worden, das zumindest dem Namen nach eine recht hohe Trumpfkarte zu werden verspricht: ein Trump(f).

 

Persönlich möchte ich kein voreiliges Urteil fällen über Donald Trump. Erstens, weil es dazu noch zu früh ist, zweitens weil das mich nichts angeht, und drittens vor allem deshalb, weil ich zwar einiges von mir halte, mir aber dennoch völlig bewusst bin, dass meine Möglichkeiten, mit einer persönlichen Beurteilung den Lauf der Weltgeschichte verändern zu können, doch eher beschränkt sind.

 

Während des Wahlkampfes betrachtete ich ihn als eher undenkbaren Kandidaten für das hohe Amt, aber als unbeteiligter Betrachter erhoffte ich mir aus zwei Gründen dennoch einen Sieg von ihm: Erstens weil seine Widersacherin Hillary Clinton meines Erachtens noch viel undenkbarer erschien; zweitens, weil ich – abgesehen von der Persönlichkeit der den beiden Kontrahenten – als SVPler mehr Sympathien hege für eine republikanische US-Regierung als für eine demokratische.

 

In der Zwischenzeit wurde Donald Trump zum Präsidenten der USA erkoren, zur Freude der einen und zur Wut der anderen (einer Wut, die in schlechterdings völlig abnorme Reaktionen umschlug). Am 20. Januar zog er ins Weisse Haus ein, und…. Wunder über Wunder…begann er sofort damit, die im Wahlkampf abgegebenen Versprechen zu erfüllen. Unnötig zu betonen, dass meine Sympathien, die sich vorher auf seine Partei beschränkten, mehr und mehr der Person Trump gelten, gegen den ich vor seiner Wahl die oben erwähnten Vorbehalte hatte. Dies weil er – als Erstaufführung in dieser Sparte – jemand ist, der konsequent das tut, was er seinen Wählern versprochen hat:  Will heissen endlich das falsche Tabu der „politischen Korrektheit“, dieses unantastbare Dogma der gesamten westlichen „classe politique“, mit Füssen zu treten. Dieses Dogma ist dermassen „unantastbar“, dass das Establishment – das seine Daseinsberechtigung geradezu auf ihm aufbaut (man hat dieses Konzept mit einer listigen Kultivierung bei den einfachen Leuten zu einem Dogma gemacht, das sich im Verlaufe der Zeit konsolidierte) – nun vor Angst zu zittern beginnt oder gar Horror davor hat, dass sich diese „Krankheit“ bei der eigenen Bevölkerung endemisch verbreiten könnte und ihm, dem Establishment, den Boden entziehe. Hinzu vor allem zum Brexit, aber auch zum Vormarsch nationalistischer Bewegungen in fast sämtlichen EU-Staaten mit den damit verbundenen neu entfachten Sezessionsgelüsten, kommen nun auch die Signale jener Politik hinzu, die Trump umzusetzen verspricht: „America first“, Abkuppeln von der NATO, Mauer zu Mexiko, Liebäugeln (vorläufig) mit Putins Russland, Einreiseverbot in die USA für Angehörige gewisser muslimischer Staaten etc., alles Dinge, welche die „politisch Korrekten“ nur als gewagte Wahlkampfaussagen einstuften, die ihnen ohnehin nicht realisierbar erschienen. Ein Aphorismus von Albert Einstein lautet: „Jedermann weiss um die Unmöglichkeit eines Vorhabens, solange bis ein Naivling auftritt, der das nicht weiss und das Unmögliche realisiert“. Das trifft voll und ganz auf Donald Trump zu, und keiner seiner Verleumder kann ihm mit gutem Gewissen entgegen halten, seine Absichten während des Wahlkampfes nicht offen erklärt zu haben; man könnte ihm höchstens allenfalls vorwerfen, nicht mit gezinkten Karten gespielt zu haben – wie es leider zur gängige Praxis der „classe politique“ aller so genannt demokratischen Staaten geworden ist, Schweiz inbegriffen – und es Trump übel nehmen, genau das umsetzen zu wollen, wofür seine Wähler ihn gewählt haben.

 

Dies hat bei den Politikastern der westlichen Welt einen Riesenwirbel ausgelöst; sie schnattern nun wie hysterische Gänse und geben sich der Illusion hin, eine Entwicklung stoppen zu können, die meines Erachtens einen – vielleicht noch etwas unsicheren und nebulösen – Demokratisierungsprozess einleiten könnte, dessen die ganze Welt bedarf. Die Hartnäckigkeit, mit welcher sie Trump und seine Entscheidungen verleumden, ist ein Indiz für deren Verzweiflung ob dem sukzessiven Entziehen eines Spielzeugs, das sie bis vor kurzem sicher in ihren Händen glaubten, samt den dazu gehörigen Pfründen und Privilegien.

 

Warum haben die amerikanischen Wähler Trump gewählt ? Eben gerade deshalb, weil er ihnen versprochen hat, „politisch nicht korrekt“ vorgehen zu wollen. Warum sind die nationalistischen Bewegungen in den EU-Staaten im Vormarsch ? Weil sie versprechen, einmal an der Macht „nicht politisch korrekt“ vorgehen zu wollen. Das heisst keineswegs unbedingt illegal zu handeln, sondern einfach, einer unverantwortlichen Politik samt dieser nicht selten zugrunde liegenden Korruption, Unehrlichkeit und fast immer anzutreffenden Verfolgung persönlicher Interessen den Riegel des gesunden Menschenverstands vorzuschieben.

 

In den USA scheint dieses „politisch nicht Korrektsein“ zum Trumpf zu werden, der für diese vierjährige Spielrunde gelten wird. Wird es bald auch in Europa und vor allem in der Schweiz dazu kommen ? Ich hoffe es sehr: Herz ist Trump(f) !

 

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