Habsburger beim Fischen am Luganersee

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Eine der romantischsten Uferpartien am Luganersee: Oria mit der Villa Fogazzaro-Roi in der Valsolda (Bild FAI)

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Der östliche Arm des Luganersees, der bis nach Porlezza reicht, war in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch fest in österreichischer Hand, genau genommen im Besitz der Habsburger. Der italienische Dichter Antonio Fogazzaro, gebürtig aus Vicenza, hat einige Jahre in Oria, einem Teil der Valsolda, gelebt und diesen Teil des Ceresio als Kulisse für mehrere seiner Romane gewählt («Entschwundene kleine Welt» u.a.). Zu Zeiten der kaiserlichen und königlichen Monarchie machten sich hier die habsburgischen Beamten am See ein ruhiges Leben und verbrachten jeweils einige Stunden ihrer Arbeitstage beim Fischen. Der Finanzbeamte, der Kirchenaufseher, aber auch der Priester, der Apotheker, der Doktor und viele andere Bewohner sind bei diesem ruhigen Sport anzutreffen. Kein Wunder, dass am Luganersee auch die politischen Ereignisse in der Zeit der italienischen Unabhängigkeitskriege in der Sprache der Fischer diskutiert werden. Einer der habsburgischen Beamten ist fest davon überzeugt, dass sogar die k. und k. Monarchie mit der Angel fischt. Der Köder ist die zum Habsburger Reich gehörende Lombardei, das dumme Fischlein, das anbeissen soll ist das unabhängige Piemont (damals Königreich Sardinien-Piemont). Mailand ist der Kork: Wenn es sich rührt, dann wird es vom Piemont beschnuppert. Wenn dieses anbeisst, wird es schnell erledigt sein…

Soweit die Logik der Fischer in der kaiserlichen und königlichen Monarchie. Antonio Fogazzaro, ein Verfechter der italienischen Einheit und folglich der Loslösung der Lombardei und des Veneto von Habsburg, führt weiter aus, dass die Geschichte einen ganz anderen Lauf nahm. Es ist bekannt, was in den italienischen Unabhängigkeitskriegen geschehen ist und wie das Vereinigte Italien vom Piemont aus aufgerollt wurde. Im Roman wird der historische Ablauf wiederum im Bild des Fischens erklärt: Die Welt nahm staunend davon Kenntnis, dass das liebe kleine Fischlein Piemont 1859 den Köder Lombardei nicht nur beschnupperte, sondern vollständig verschlang, mitsamt dem Angelhaken und der Schnur und der Angelrute und allem übrigen… Mailand wurde zusammen mit der Lombardei Teil der neuen Monarchie Italien. Kein Wunder, dass Fogazzaro sich in der Sprache der Fischer ausdrückt: Seine ehemalige Villa liegt noch heute, kurz nach der Schweizer Grenze, in Oria direkt am See. Sie ist im Besitz des FAI (Fondo Ambiente Italiano) und kann besucht werden. Der am Luganersee beheimatete Roman «Piccolo mondo antico» ist in italienischer Sprache in verschiedenen Ausgaben erhältlich. Antiquarisch findet man das Buch auch in deutscher Übersetzung.

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