Für Pakete: Die Post?

Dic 16 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 727 Visite • Commenti disabilitati su Für Pakete: Die Post?

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Sie kennen die Situation sicher: Sie sind zuhause und erwarten ein Paket, das Ihnen für diesen Tag versprochen wurde. Im Laufe des Vormittags gehen Sie zum Briefkasten und finden dort eine Abholungseinladung mit dem Vermerk: Die Zustellung sei nicht möglich gewesen. Das schwere Paket muss also am nächstgelegenen Postschalter abgeholt werden, wohl verstanden: erst am kommenden Tag steht es dort zur Verfügung. Wie kann das sein? Ich wohne ja recht zentral, etwa eine Gehminute vom Einkaufszentrum in Maggia, eine kleine Strasse führt bis vors Haus – und da soll die Zustellung von Paketen nicht mehr möglich sein? Vorausgeschickt sei, dass in Maggia die Postzustellung sonst hervorragend funktioniert. Die Damen, die bei uns die Post zustellen, tun dies äusserst korrekt und sehr zuvorkommend. Der Zustelldienst in Maggia klappte bisher sehr gut.

Abklärungen am Postschalter haben ergeben, dass neu die Pakete nicht mehr von Maggia sondern direkt von Cadenazzo aus verteilt werden. Da kam also offenbar ein ortsunkundiger Zustellbeamte, der sich nicht die Mühe genommen hat, mit dem Paket an der Haustüre zu klingeln. Man hat mir dann verschiedene Vorschläge gemacht, falls ich weiterhin Pakete mit der Post bekomme: Ich könne mich z. B. an die Strasse stellen und auf die Zustellung warten (von 7 bis 17 Uhr?) oder allenfalls vom Fenster aus beobachten, wann das gelbe Auto komme (Pensionierte stehen ja sowieso mehrheitlich am Fenster und beobachten die Nachbarn?). Die Dame am Schalter hat aber über ihre eigenen Vorschläge selbst lachen müssen. Das Ganze riecht nach neuen Vorschriften, die irgendwo am Bürotisch in Bern ausgeheckt worden sind und wenig mit der alltäglichen Praxis zu tun haben.

Schliesslich erhielt ich von anderswo die genaue Auskunft: Bei der Paketzustellung werden offenbar nur die ganzjährig bewohnten Häuser von der Post bedient. Da in unserer Nachbarschaft einige Ferienhäuser stehen, hat sich der Pöstler aus Cadenazzo nicht die Mühe gemacht, abzuklären ob es sich bei unserer Adresse nicht vielleicht um ein ganzjährig bewohntes Haus handeln könnte. Da gab es nur noch eine Möglichkeit: Ich habe mich bei der Zustellung des nächsten Paketes warm angezogen und an die Strasse gestellt. So konnte ich den Zustellbeamten persönlich kennen lernen und ihm zeigen, dass er mit dem gelben Auto direkt vors Haus fahren kann und eine Klingel vorhanden ist. Und siehe da: In der kommenden Woche wurde mir das erste Paket wieder bis nach Hause gebracht… Es scheint aber auch noch ein ganz anderes Kommunikationsproblem zwischen der Post und der Gemeinde zu geben: Seit etwa zwei Jahren druckt die Post auf viele Briefe den Vermerk «Bitte genaue Adresse mit Strasse und Hausnummer angeben». Hausnummern sind aber bei uns gar nicht vorhanden, da die Gemeinde sie noch nicht zugeteilt hat. Es scheint, dass die Post in den letzten Jahren zu einem zentral gelenkten etwas praxisfernen Betrieb geworden ist, der mit neuen Vorschriften alle Abläufe bis ins hinterste Tal lenken will. Funktionieren kann der Dienst am Kunden aber nur, wenn die ausführenden Angestellten ihre Arbeit mit etwas gesundem Menschenverstand erledigen. Und das wird in Maggia glücklicherweise noch so gehandhabt. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

Comments are closed.

« »