Fehlprognosen oder schlicht „fake news“?

Lug 14 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 79 Visite • Commenti disabilitati su Fehlprognosen oder schlicht „fake news“?

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Man trifft zukunftsgerichtete Entscheide zumeist aufgrund von Prognosen der künftigen Entwicklung. So zieht man namentlich oft Prognosen heran oder stellt geradezu darauf ab, wenn es um die Herbeiführung politischer Entscheide geht, namentlich um Volksentscheide an der Urne. Die Krux dabei ist, dass diese entscheidrelevanten Prognosen mal einigermassen stimmen können, aber oft auch völlig daneben liegen. Was geschieht, wenn behördlich verbreitete Prognosen um mehr als Faktor 10 falsch waren, und man gestützt darauf völlig falsche politische Entscheide traf? Nichts!

Fehlprognosen sind an der Tagesordnung

Die (Fehl-)Prognosen werden verwaltungsintern zusammengeschustert, stammen aber oft – zwecks Erhöhung der Glaubwürdigkeit – von herangezogenen externen Experten, oft Professoren.

Erinnern Sie sich noch an die berühmt-berüchtigte Prognose, dass die Einführung der Personenfreizügigkeit zu einer maximalen Nettozuwanderung von 8’000 Personen jährlich führen würde ? Gekommen sind dann 10mal mehr, so um die 80’000, in 10 Jahren um die 800’000. Die Prognose stammte vom in Hamburg lebenden Schweizer Prof. Straubhaar, der jüngst einräumte: „Es war ganz offensichtlich eine Fehlprognose“.

Und wie war es bei der Prognose punkto Beitritt zum Schengen/Dublin-Abkommen der EU? Auch dort wurden die Kosten um den Faktor 10 unterschätzt. Zudem hat man uns den Himmel auf Erden versprochen punkto Eindämmung der Zuwanderung, Rückschaffung von Asylbewerbern, Kriminalitätsbekämpfung etc. Alles totaler Unsinn. Dass Schengen/Dublin nicht funktioniert, geben mittlerweile sogar deren naive Erfinder in der EU zu und halten sich selber kaum mehr daran.

Die Beispiele liessen sich beliebig erweitern. Ich verzichte auf weitere Aufzählungen, denn unser kleines Blatt zählt nur 8 Zeitungsseiten. Wohlverstanden: Bei Prognosen kann man sich täuschen. Nicht mal Madame Soleil liegt mit ihren Horoskopen immer richtig.

Doch etwas geschieht beängstigend auffallend: Die behördlicherseits präsentierten (Fehl-)Prognosen sind stets darauf ausgelegt, die behördlich erwünschten Vorlagen im günstigsten Lichte erscheinen zu lassen, um die Zustimmung des Volkes herbei zu zaubern. Das funktioniert recht gut, denn die Tatsachen holen uns jeweils erst lange nach den getroffenen Volksentscheiden ein.

Sind die Fehlprognosen gewollt ?

Das sorgt bei mir für ein sehr ungutes Gefühl. Denn es nährt den Verdacht, dass man verwaltungsintern nur jene Statistiken heranzieht und zudem sehr „kreativ“ interpretiert, die zur Erreichung des jeweils gewünschten politischen Zieles nützlich sind. Und schlimmer noch: Dass man bei der Vergabe von Prognoseaufträgen an Externe jene Experten heranzieht, von denen man praktisch sicher ist, dass sie die erwünschten Resultate liefern: so quasi erwünschte Gutachten „auf Bestellung“. Im gegenteiligen Fall kann man sie ja auch schlicht schubladisieren und auf deren Verbreitung verzichten.

Das sind zugegebenermassen nur Mutmassungen. Belegen kann ich das natürlich nicht, ohne amtsgeheimnisverletzend verwaltungsinterne Meinungen wiederzugeben, die dort so quasi als „offene Geheimnisse“ zirkulieren. Aber es will selbstverständlich niemand Klartext sprechen und dadurch seinen Job riskieren.

Wohlverstanden: In jedem Abstimmungskampf stehen sich befürwortende und ablehnende Fronten gegenüber. Und jede Partei wird darauf bedacht sein, jene Argumente ins Feld zu führen, die für ihre Argumentation sprechen. Das ist legitim. Aber bei der Behördenpropaganda ist meines Erachtens allergrösste Objektivität zu fordern, sonst degeneriert sie zu „fake news“.

Was tun ?

Zurück zur eingangs gestellten Frage: Was geschieht, wenn man aufgrund von erwiesenermassen krass falscher Behördenpropaganda gutgläubig politisch völlig falsch entschieden hat? Wie gesagt: Nichts. Natürlich kann man theoretisch wieder mühsam mit Referenden und Initiativen demokratisch für die nötigen Korrekturen sorgen. Aber das ist nicht nur mühsam, sondern sehr aufwendig und kommt dann auch zeitlich oft „eine Katastrophe zu spät“. Und es strapaziert unser direktdemokratisches System: Muss man denn jedes Mal 2-3mal abstimmen gehen, damit der klare Volkswille endlich respektiert wird ?

Ein Wundermittel gegen diesen mutmasslichen Missbrauch kenne ich auch nicht. Damit, dass man verwaltungsinterne Fehlprognostiker entlässt und Professoren à la Straubhaar augenzwinkernd künftig nicht mehr als „Experten“ zuzieht, ist es natürlich nicht getan. Eigentlich müsste man politische Entscheide, die aufgrund von krass falschen behördlichen Informationen irrtümlich getroffen wurden, schlicht automatisch kassieren, zurückziehen oder die Vorlagen neu vorlegen.

 

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