EU-Dialog

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Humoreske

 

Ein von der Schweizer Regierung abgeordneter Diplomat betritt in Brüssel das imposante EU-Gebäude, schreitet dort zwei Treppen hoch, und klopft an die Türe von Kommissionspräsident Juncker. Er hört vom Innern ein deutliches „Ja bitte, treten Sie ein“, öffnet die Türe und steht vor dem EU-Mächtigen, der an seinem Pult gelangweilt auf irgend einem neuen EU-Verordnungsentwurf Korrekturbemerkungen hinkritzelt.  

 

 

Juncker (J): „Was wollen Sie ?“

 

Diplomat (D): „Nun ja, ich komme aus der Schweiz, und wir möchten…hem…hem… der EU beitreten“.

 

J: „Nun endlich doch noch. Das haben wir längst erwartet. Wann geht’s euch ? Ist morgen um 0700 Uhr OK ? Das wäre ideal, denn um 1130 Uhr trifft sich die Kommission, dann könnten wir das gleich definitiv besiegeln. Aber bis morgen müsstet Ihr noch eure Bundesverfassung in einigen klitzekleinen Punkten ändern. Das geht doch, oder ?“.

 

D: „Das müsste ich prüfen lassen. Worum geht es denn, ich habe den Text dabei“ (er schlägt das Büchlein auf).

 

J (liest in der Bundesverfassung) meint: „Nun, das beginnt mit der Präambel. Dort steht „Im Namen Gottes des Allmächtigen !“. Wir würden wünschen, dass dort künftig stehe „Im Namen des Europäischen Unionsgedankens !“.

 

D: „Das könnte sehr gut gehen, denn dieser „Allmächtige“ ist ohnehin bei uns etwas ausser Kurs. Fast ein Drittel unserer Bevölkerung versteht darunter „Allah“, das führt dauernd zu Missverständnissen.“

 

J: „OK. Den Rest der Präambel kann man sein lassen wie er ist, es ist ja nur das übliche Blabla.. Aber schauen wir uns den Artikel 1 eurer BV mal an. Dort steht „Das Schweizervolk und die Kantone Zürich, Bern… etc. bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft“. Das ist eine völlig unnötig endlose Aufzählung von Details. Dort sollte vielmehr stehen : Die Schweiz als 29. Staat der Europäischen Union bildet…doch Moment mal, ich habe vergessen ob die Schweiz noch vor oder erst nach der Türkei unserer Union beitritt, lassen wir die Ziffer also vorläufig noch offen. Ach ja, noch etwas: Der Begriff „Eidgenossenschaft“ ist in der EU völlig unbekannt. Könnte man ihn nicht ersetzen mit „Mitgliedsstaat“ ?

 

D: „Das sollte gehen“.

 

 J: „Ja, da wäre dann weiter der Zweckartikel in eurer BV (Art. 2). Ihr schreibt darin: „Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes“, oder so etwas. Das ist völlig überholt und zu streichen. Von nun an sorgen wir von der EU dafür. Denn für eure Freiheit und Rechte sorgen unsere europäischen Gerichtshöfe via euer überaus liebes Bundesgericht bereits heute für uns in der EU fürsorglich, also was soll’s ?  Volksrechte ? Was meinen Sie damit, erklären Sie mir das, denn so etwas kennen wir in der EU nicht. Also vergessen Sie das lieber, denn es brächte uns nur zusätzliche Probleme.  Unabhängigkeit des Landes ? Da muss ich Sie fragen: Wollen Sie denn nun der EU beitreten oder nicht ? Glauben Sie denn wirklich, dass Sie nach einem Beitritt noch etwas zu sagen haben ?  Sicherheit ? Ja, dieses dornenvolle Problem konnten wir EU-intern noch nicht ganz lösen. Aber wenn wir unser Problem, wie bisher immer, laufend konsequent in euer Land exportieren, finden sicher Sie dafür bald eine auch für uns gute Lösung. Wichtig ist, dass Sie keine Grenzkontrollen einführen, denn unser EU-Abkommen von Shitin, Scheisstin, Szenten oder so, ach ja, ich meine dasjenige von Schengen, das ist uns heilig !

 

D: Vielen, sehr vielen lieben Dank, wertester Herr J. Sie erhalten morgen spätestens um 0630 Uhr unsere Antwort. Es versteht sich von selbst, dass wir unsere total EU-feindlichen Masseneinwanderungs- und Ausschaffungsinitiativen zurück ziehen. Es fehlte ja noch, dass unser dummes Volk unsere gemeinsamen hehren Projekte sabotiert. Schönen Abend…“.

 

J: „Gute Nacht, liebe Schweiz. Küsschen an die liebe Eveline, oder Doris, oder Simonetta, ich erinnere mich nicht mehr genau an unser letztes Treffen. Hauptsache, es geht einen Schritt weiter“.

 

 

Ronco  

 

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