Einfache und klare Aussagen

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Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind an der EXPO 2015 in Rho / Mailand sehr deutlich formuliert: Wie können wir für eine wachsende Weltbevölkerung qualitativ und quantitativ genügend Nahrung bereitstellen? Gelingt es uns auch gesundes Essen für alle anzubieten? Steht in allen Regionen trinkbares Wasser zur Verfügung? Wie bekämpfen wir die Krankheiten unserer Zeit? Gelingt es uns, die Vielfalt der Ernährungstraditionen vor globalen Trends zu retten und bekannt zu machen? Können wir die Ausbreitung der Wüstengebiete stoppen und der Austrocknung weiter Landstriche vorbeugen? Reichen unsere Nahrungsmittel für alle oder stehen sie nur einem Teil der Erdbevölkerung zur Verfügung?

Genau diese letzte Frage will die Schweiz mit Ihrer Präsentation angehen: In vier Türmen werden den Besuchern riesige Vorräte an Wasser, Salz, Kaffee und gedörrten Apfelringen angeboten. Entscheidend ist nun, wie die Leute mit den Vorräten umgehen. Sind die Vorräte (und darauf deutet im Moment einiges hin) bereits im Laufe der Sommermonate erschöpft, bleiben für die Besucher im Herbst nur noch leere Regale. Oder setzt sich das Bewusstsein durch, dass die Vorräte bis zum Ende der Ausstellung im Herbst ausreichen müssen? Ebenfalls im Schweizer Pavillon wird mit dem Modell des Gotthard-Massivs auf unser Wasserschloss hingewiesen, von wo aus das kostbare Nass in alle Himmelrichtungen verteilt wird. Über dem Modell aus Gneis hängen die typischen Holzkanäle, die in den wasserarmen Walliser Bergen das in nur geringen Mengen vorhandene Wasser sinnvoll auf die bebauten Felder verteilen. Überfluss und Mangel sind eben auch in der Schweiz sehr nahe beieinander. Neben den Gotthard-Kantonen hat eine einzige Schweizer Stadt die Gelegenheit genutzt und zeigt sich den Besuchern von der besten Seite: Basel mit seiner langen Geschichte, seiner Stadt-Architektur, seiner Universität, seinen Persönlichkeiten und natürlich seiner chemischen Industrie.

Einfach und überschaubar ist auch der „Stadtplan“ der EXPO: An einer Hauptstrasse, die nach altrömischer Tradition im Städtebau „Decumano“ genannt wird, verteilen sich die Häuser der verschiedenen teilnehmenden Länder und die Cluster (Themenbereiche). Die einzige grössere Querstrasse ist der Cardo. Er ist mehrheitlich für den italienischen Pavillon (das wohl meist besuchte Haus mit der attraktivsten Ausstellung und den längsten Wartezeiten), den EXPO-See und die Vorstellung der italienischen Regionen und Provinzen reserviert. Die Lake Arena ist das Zentrum für grössere Veranstaltungen. Dort steht auch der Lebensbaum, der an bekannte Formen aus der Renaissance erinnert: Jeder Besucher fühlt sich auf das römische Kapitol mit dem von Michelangelo geschaffenen Platz versetzt.

Italien hat seit Jahren der Fast-Food-Welle, die uns global überrollt, das Konzept des Slow-Food mit der Wiederaufwertung regionaler Spezialitäten entgegengesetzt. In diesem Sinne ist ein grosser Teil der Restauration an der EXPO an die von Oscar Farinetti gegründete Firma Eataly (der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern eat + Italy zusammen) vergeben worden. Die Ladenkette verkauft in ganz Italien Lebensmittel von höchster Qualität und expandiert in diesen Jahren auch nach München, Los Angeles und London. An der Weltausstellung betreibt Eataly so viele Restaurants wie es Regionen in Italien gibt und propagiert die typischen regionalen Essgewohnheiten. 

Die Ziele in Sachen Ernährung der Weltbevölkerung sind klar und deutlich. Die Ideen für die Erreichung dieser Ziele sind sehr vielfältig. Das ist ja gerade die Aufgabe einer Weltausstellung, verschiedenartige Möglichkeiten aufzuzeigen. So ist es etwa recht ungewohnt, wenn die Besucher vor den Experimenten Israels und anderer Länder stehen: Weil der verfügbare Boden knapp geworden ist, weicht man aus auf vertikale Bepflanzung. Ganze Wände werden begrünt und zur Herstellung unserer Nahrung genutzt und dies alles natürlich mit computergesteuerter Bewässerung. Ideen für die Zukunft sind vorhanden, es fragt sich nur, welche wir wirklich realisieren wollen. Dies müssen wohl letztlich die kommenden Generationen entscheiden und die sind an der Weltausstellung zahlreich anzutreffen. Eine riesige Zahl von Schulklassen ergiesst sich in diesen Wochen über das Gelände der EXPO. Wenn diese Schüler so lange noch von ihren Eindrücken erzählen, wie es die Generation unserer Eltern mit den Erlebnissen an der Landi 1939 getan hat, dann bleibt wohl einiges hängen.

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