Ein Händedruck seit mehr als tausend Jahren

Apr 16 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 478 Visite • Commenti disabilitati su Ein Händedruck seit mehr als tausend Jahren

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Wir haben uns in den letzten Jahren an vieles gewöhnt: In den Schulzimmern sollen keine christlichen Kreuze aufgestellt werden, Weihnachtsfeiern mit Schulklassen sind tunlichst zu unterlassen, Eier und Schokoladehasen im Frühling dürfen nicht mehr mit dem Begriff Ostern in Zusammenhang gebracht werden. Und nun dies: In Schweizer Schulen haben sich kürzlich Schüler geweigert, ihrer Lehrerin am Ende des Schultages, wie es vielerorts üblich ist, beim Abschied die Hand zu geben. Sollen wir jetzt darauf Rücksicht nehmen, dass es in anderen Kulturen offenbar nicht statthaft ist, einer Frau die Hand zu schütteln?

 

Wikipedia informiert uns darüber, dass die Begrüssungszeremonie in vielen westlichen Ländern normalerweise mit der rechten Hand ausgeführt wird, nur die Pfadfinder geben sich offenbar die Linke. Kräftiges Händeschütteln gilt als Zeichen für Selbstbewusstsein, Kraft und Willensstärke. Nicht so in asiatischen Ländern, wo dies als unhöflich und grob ausgelegt werden kann. Wenn die Fernsehkamera dabei ist, wird gerade bei Politikern das Händeschütteln oft minutenlang zelebriert. Und dies selbstverständlich zwischen Männern und Frauen. Bereits dem Apostel Paulus wurde beim Abschied in Jerusalem freundschaftlich die rechte Hand gereicht. Geschäftsleute und Bauern bekräftigen mit einem Handschlag ein getätigtes Geschäft mit allen dazugehörenden finanziellen Konditionen.

 

Nun sollen unsere jahrhundertalten Traditionen plötzlich in Frage gestellt werden, weil Menschen aus anderen Kulturkreisen, die ja freiwillig unter uns leben, nicht bereit sind, unsere Konventionen zu übernehmen? Wäre nicht gerade dies ein Zeichen von Integration, die Formen des Zusammenlebens, wie sie bei uns üblich sind, anzunehmen und damit auszudrücken, dass man die Bräuche im Gastland respektiert? Umgekehrt sind ja auch wir auf Reisen in andere Länder gerne bereit, uns den dortigen Gepflogenheiten anzupassen und in bestimmten Situationen Verhaltensweisen anzunehmen, die wir bisher nicht kannten. Gerade die Vielfalt der Kulturen und Traditionen ist ja interessant. Dazu gehört, dass wir entschlossen dafür sorgen, dass wir unsere althergebrachten Bräuche behalten und selbstverständlich von Einwanderern verlangen, dass sie diese auch respektieren.

Comments are closed.

« »