Die Qual der Wahl

Mar 24 • Prima Pagina • 101 Visite • Commenti disabilitati su Die Qual der Wahl

Humoreske

Alexandra oder Annabelle ? Amandine oder Celtiane ? Eventuell Charlotte ? Oder doch eher Antina, Agata oder Erika ? Auch Victoria ist noch zu haben, ebenso Désirée und Ditta. Nicola und Laura kommen etwas später. Laura kenne ich, die ist wirklich gut, aber im Moment leider auch nicht verfügbar. Hingegen präsentiert sich Jelly als verführerische Alternative. Venezia kenne ich noch nicht. Oder soll es für einmal etwas Exklusives sein ? Vielleicht Lady Claire, Lady Rosetta oder Lady Christl ? Jedenfalls verzichte ich – als eher dem weiblichen Geschlecht zugeneigter Mann – auf Challenger, Innovator, Pirol, Hermes und Gwenne. Vom geschlechtslosen Panda ganz zu schweigen.

Ich entscheide mich heute für Victoria

Immer diese so schwierigen Entscheidungen. Aber die richtige Auswahl ist eben ausschlaggebend für das jeweils optimale körperliche Wohlbefinden. Mal was Weiches, mal was Hartes, mal was Langovales oder Rundes, mal was mit flachen oder mitteltiefen Augen. Mal was für längere Zeit, mal was für das kurzfristige Vergnügen. Ich entscheide mich heute nicht für die feine und feuchte Charlotte, sondern für Victoria. Das tönt gut. Denn gemäss ihren Angaben ist sie etwas fest, macht alles mit, offeriert ihre Dienste auch über längere Zeit und ist erst von Juli bis Oktober in den Ferien; allerdings scheint sie nicht gerne zu duschen und hasst Gnocchi, die ich doch so liebe.

Der Entscheid ist getroffen: Also ab ins Eros-Center ?

Da täuschen Sie sich gewaltig, nichts da ! Denn die obige Namenliste stammt nicht von einem Eros-Center oder einer einschlägigen Inseratenseite von Tageszeitungen mit Sex-Angeboten. Sie stammt von Agro-Marketing Suisse 2017. Gemeint sind damit die – gemäss Selbstangabe häufig wechselnden – Kartoffelsorten. Jene, die Sie in unseren Verkaufsläden finden oder eben noch nicht oder nicht mehr. So ist Victoria eben kein Escort-Girl, sondern eine vorwiegend festkochende, vielseitig verwendbare und (in ungewaschenem Zustand) sehr gut lagerfähige Kartoffel, die zeitweise angeboten wird.

Die Kartoffelangebote sind verwirrlicher als die erotischen

Verwirrlich, denn die Namen der Kartoffelsorten in den Verkaufsregalen ändern praktisch im 5-Tages-Takt. Und so muss man fast bei jedem neuerlichen Einkauf eine neue Kartoffeldame mit ungeahnten Eigenheiten mit nach Hause bringen. Gerade wenn man noch Resten zuhause hat, muss man höllisch aufpassen, denn Désirée und Victoria vertragen sich nicht in der Rösti-Pfanne: Die weich-langovale Désirée mit den mitteltiefen Augen würde der festen kurzovalen Victoria glatt ihre flachen Augen auskratzen. Was tun ? Ein eigentliches Kartoffelharem im Keller für sämtliche kulinarischen Liebesdienste können sich aus Platz- und Kostengründen die wenigsten Leute einrichten.

Ach wie einfach war’s doch früher

Ja, früher kaufte man einfach einen 50kg-Jutesack der Sorte Bintje (seit 1935 in der Sortenliste), hatte für eine ganze Weile sehr lagerfähige Kartoffeln, die man zudem für alles verwenden konnte: Kartoffelsalat, Salzkartoffeln, Bratkartoffeln, Gschwellti, Rösti, Kartoffelstock, Gratin, Pommes frites, Pommes chips, Gnocchi etc. Heute hingegen bedarf es für den Kartoffeleinkauf beinahe eines Master-Abschlusses in Potatologie (die potatology gibt’s tatsächlich: let’s study potatology !).

Ich habe mich entschieden: Heute abend gibt’s statt Kartoffeln nur Teigwaren. Von denen gibt’s ja nur eine einzige Sorte, die Spaghetti. Oder ?

 

Ronco

 

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