Die Prostitution: Ein Beruf wie ein anderer…oder doch nicht ?

Lug 12 • Deutsche Seite • 1279 Visite • Commenti disabilitati su Die Prostitution: Ein Beruf wie ein anderer…oder doch nicht ?

Eros N. Mellini Grossrat SVP Tessin

Eros N. Mellini
Grossrat SVP Tessin

Editorial

Kürzlich wurde der Gesetzgebungs-Kommission des Grossen Rates mit dem Geschäft der Totalrevision des Gesetzes über die Ausübung der Prostitution vom 25. Juni 2001 ein alles andere als unproblematisches Revisionsvorhaben zur Prüfung zugeleitet; so dass man beschloss, nötigenfalls eine Unterkommission einzusetzen.

 

Das heute in Kraft stehende Gesetz ist nur 12 Jahre alt und hat wahrscheinlich nicht alle Probleme gelöst im Zusammenhang mit diesem Beruf – welchen der Toleranz- und Gutmenschlichkeits-Wahn gegenüber all den Dingen, die einst als Tabus galten, uns um jeden Preis als „Beruf wie ein anderer“ präsentieren will, was er aber nicht ist – der bis vor kurzem sogar als Straftat betrachtet wurde. Es ist wahrlich so, dass man seit den Zeiten, in denen man den ersten Stein warf ohne sich gross darum zu kümmern, ob man selber ohne Schuld sei – ich bin sogar davon überzeugt, dass die Heuchelei überwog und dass diese metaphorische Steinigung zahlreiche Opfer forderte – nun dazu übergegangen ist, alles und jedes zu rechtfertigen und zu tolerieren; was bis vor wenigen Jahrzehnten verwerflich war, ist normal geworden, um nicht mehr zu sagen. Man betrachte schon nur die Haltung unserer Gesellschaft gegenüber den Gays: Als ich ein Bub war und uns einer der wenigen (und stadtbekannten) Homosexuellen entgegenkam, liess mich meine Mutter die Trottoirseite wechseln. Heute tragen sie T-Shirts mit der Inschrift „Gay is beautiful“ und veranstalten 200’000 Mann/Frau stark „Gay prides“, was auf deutsch „Homosexueller Stolz“ bedeutet – ein Festival der Unterschiedlichkeit (nennen wir das mal so). Es ist ein Spektakel, der mich auch dann stören würde, wenn er zu 100% im Zeichen des Ausdrucks der Heterosexualität stünde. Aber ich bin eindeutig alter Schule, heute wechsle ich die Trottoirseite nicht mehr; weil keine Mutter mehr da ist, die mir das vorschreibt, aber vor allem weil die Anzahl Homosexueller dermassen zugenommen hat, dass mein Weg infolge des dauernden Hin und Her  wohl um ein Vierfaches länger würde. Als ich vor einigen Jahren in Berlin war und mich auf dem Weg zu einem Besuch des Bundestags in entgegen gesetzter Richtung durch eine solche Veranstaltung durchkämpfen musste, stiess ich mit einem Paar zusammen, das eindeutig libidinös miteinander schmuste; ich versichere Ihnen, dass mir – als beiden sich mir zuwandten um mir den Weg freizugeben und ich sah, dass beide einen Bart trugen, um den Rasputin sie beneidet hätte – einiges durch den Kopf ging; allerdings kaum, ihr Verhalten als etwas Normales zu betrachten.

 

Aber ich bin etwas abgeschweift, auch wenn der Grundgedanke meiner Überlegungen – ob ich nun von Prostitution, von der Haltung gegenüber den Gays, vom absurden Gutmenschentum gegenüber den Kriminellen oder den Drogen spreche – dem Wechsel in unserer Gesellschaft gilt: Ein Wechsel zum Schlechteren hin, wie mir scheint, den die Gesellschaft dazu führt, resigniert jederlei Abartigkeit hinzunehmen. Schlimmer noch, denn man betrachtet alles Schlechte als nunmehr unabwendbar und nennt es einfach nur anders: Es gibt nichts Schlechtes mehr, es ist lediglich die andere Seite der gleichen Medaille. Der eine ist ehrlich und der andere benimmt sich wie ein Schuft, aber beide sind „normal“; den zweiten darf man nicht automatisch des Landes verweisen, weil er – Gott bewahre – auch seine Rechte hat. Der eine hat einvernehmlichen Sex – ungeachtet ob homo- oder heterosexuellen – mit Erwachsenen und der andere vergewaltigt Kinder; spielt alles keine Rolle, auch der zweite hat seine Rechte, und man darf ihn nicht lebenslang verwahren.

 

Und nun zur Prostitution als „Beruf wie ein anderer“. Ich wünsche all jenen, die so denken, dass eines Tages ihr Söhnchen nach Hause komme und auf die klassische Frage „was willst Du einmal werden ?“ antworte: „Prostituierter!“. Wär’s auch dann noch ein „Beruf wie alle anderen“ ? Würden sich die Eltern, stolz auf diese Berufswahl, dafür einsetzen, um dem Sohn den Weg zu ebnen für eine brillante berufliche Karriere? Vorweg mit einer Matura. Sei sie klassisch, technisch oder berufsausgerichtet: Am Gymnasium muss man einen Lehrgang für eine Sex-Matura einführen! Sodann eine Fakultät an der USI mit Lizentiat bzw. – sorry – „Bachelor“ nach einer Diplomarbeit über das Kamasutra. Schliesslich ein „Master“ (das tönt besser als „Doktorat“) an der Universität von Tokio, um sich in der weltweit einzigartigen Kunst der „Geisha“ (heutzutage auch des „Geisho“, denn wo kämen wir ansonsten hin im Zeitalter der Gleichberechtigung?) auszubilden. Dort lehrte man auch die Zubereitung von Tee. Das hat zwar nichts mit dem Beruf zu tun, aber traditionsgemäss nannte man die qualitativ hoch stehenden Bordelle – man weiss nicht so recht, ob um damit den Besuchern ein Alibi zu verschaffen oder aus anderen Gründen – „Teestuben“.

 

Doch kehren wir zurück zum Gesetz über die Ausübung der Prostitution; schon ein erster oberflächlicher Blick darauf hat mich davon überzeugt, dass es nicht einfach sein wird, etwas Vernünftiges und leicht Umsetzbares auszuarbeiten, da gilt es allzu viele Rechte zu wahren (Recht auf freie Berufswahl, Recht auf freien Marktzugang, Datenschutz, etc.etc.). Dies wohlverstanden nicht, weil man einige Einschränkungen im Verhältnis zu anderen Berufen als logisch betrachten würde, sondern weil „im Falle, dass jemand Beschwerde führt, ihm dann das Bundesgericht Recht geben wird“. Persönlich gelange ich langsam zur Überzeugung, dass es uns besser ging als es uns schlechter ging.

 

Ausgehend von dem, was einst eine – allerdings heutzutage nicht mehr übermassen verfolgte – Straftat darstellte, hat man 2001 ein Gesetz gemacht, dessen Zweck darin bestand, das Phänomen der Prostitution „einzudämmen“ – was klar darauf schliessen lässt, dass es sich dabei für den einen oder anderen nicht so sehr um „einen Beruf wie einen anderen“ handelte. Mit dem neuen Gesetzesvorschlag gibt der Staatsrat zu, dass das alte Gesetz „nicht mehr dazu taugt, das Phänomen korrekt zu managen. Schlimmer noch ist, dass man, punkto Zwecksetzung, vom Eindämmen der Ausübung der Prostitution zu deren „Disziplinierung“ übergegangen ist. Anders gesagt: Geben wir jede Hoffnung auf, das Phänomen ist uns aus den Händen geglitten, man kann es nicht mehr eindämmen, also reglementieren wir es, indem wir zumindest versuchen, die Zuhälterei aus der Kriminalität herauszulösen und, wenn möglich, einige Steuerfranken zu verdienen, was angesichts der heutigen Lage sicher nicht schlecht ist für die Staatskasse.

 

Leider zweifle ich daran, dass das vom neuen Gesetz generierte Geld dessen Existenz zu rechtfertigen vermag, und hinsichtlich der mit der Prostitution verbundenen Kriminalität wird das neue Gesetz auch nichts bringen, wenn und sofern es schon das Strafrecht nicht tut.

 

Ich befürchte, dass die guten Absichten des Staatsrates darauf beschränkt bleiben werden, ein weiteres überflüssiges, wenn nicht gar unnötiges und vor allem untaugliches Gesetz zu erlassen. Eine Alibiübung, um das schlechte Gewissen einiger Leute zu beruhigen, die insgeheim davon überzeugt sind, dass die Prostitution kein Beruf ist wie ein anderer – dies aber nicht offen zu sagen wagen.

 

 

Eros N. Mellini

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