Die hässliche Seite Europas

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Man hat wirklich das Gefühl, dass es nun um eine Scheidung der übelsten Sorte geht: England und Europa haben lange Jahre schlecht und recht zusammengelebt, beide haben mehr oder weniger davon profitiert. Nun aber bei der Trennung, beim Brexit, geht es hart auf hart. Kürzlich hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach einem gemeinsamen Abendessen mit Theresa May tief schockiert gezeigt über die Art und Weise, wie England sich den Austritt vorstelle. Für ihn geht es bei diesem Vorgang – wie ja meistens bei Scheidungen – um Geld, sogar um viel Geld. Die Frage ist nur, wer bei wem Schulden hat? Juncker möchte sich offenbar seinen geldverschlingenden Apparat in Brüssel weiter von England mitfinanzieren lassen. Die naiven Schweizer haben es ja bewiesen: Auch unser Land als Nichtmitglied zahlt bei jeder sich bietenden Gelegenheit grosse Summen ins marode Unternehmen ein. Wie wäre es, wenn Juncker einfach nach dem Austritt eines Mitgliedes die Anzahl Stellen in seiner überdimensionierten Verwaltung reduzieren würde?

Die Gelegenheit ist günstig, dass sich die Länder unseres Kontinents darauf besinnen, was sie verbindet. Sicher nicht die schwerfällige und teure Verwaltung in Brüssel mit all ihren Gesetzen und Vorschriften. Eine Gemeinsamkeit besteht weder in der Sprache oder Denkweise noch in einheitlichen politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen, sondern ganz einfach in einer gemeinsamen Vergangenheit. Es sind die Römer, die vor 2000 Jahren den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Europas – ob mit oder ohne deren Einverständnis bleibt mal dahingestellt – einen Stempel aufgedrückt haben. Ihre Sprache, ihre politischen Strukturen, ihr Recht aber auch ihre Architektur sind allgemein gültig geworden. Dank den Strukturen des römischen Reiches hat sich auch das Christentum verbreitet – eine weitere Gemeinsamkeit unserer Länder. Daneben haben aber dieselben Römer die Voraussetzungen geschaffen, dass jede Region grösstenteils ihre Eigenheiten und ihre Autonomie bewahren konnte. Genau diese Individualität und Selbstständigkeit der Länder ist heute durch die Institutionen der EU bedroht. Die Verhandlungen im Rahmen des Brexit sind eine grosse Chance um nötige Korrekturen anzubringen und wiederum vermehrt die Eigenständigkeit der Länder zu stärken.

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