Die Angst des Tyrannen

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Das Ohr des Dionysius: Eingang zu den Gefängnissen des Tyrannen von Syrakus. Eine hervorragende Akustik der Felsanlage ermöglichte es, alle Gespräche der Gefangenen abzuhören. 

Urs von der Crone Präsident ds-SVP Tessin

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei überschlagen sich die Meldungen zu den „Säuberungsaktionen“, die von Staatspräsident Erdogan innerhalb von wenigen Tagen angeordnet wurden: Hunderte von Offizieren und Soldaten, Journalisten und Mitarbeiter verschiedener Zeitungen, Angehörige religiöser Einrichtungen, eine grosse Zahl von Richtern sind festgenommen worden. Eine Reihe von Schulen, Universitäten sowie Fernseh- und Radiostationen sind geschlossen worden. Der Staatspräsident traut niemandem mehr, ja er fordert sogar dazu auf, seine Gegner auch im Ausland zu verfolgen. Die Frage stellt sich, ob Erdogan in seinem Machtrausch oder in seiner grenzenlosen Angst vor seinen Gegnern alles, was er bisher in jahrelanger Aufbauarbeit erreicht hat, zerstören will?

Das Verhalten des türkischen Staatspräsidenten kann nicht überraschen. Es gibt in der Geschichte eine Reihe von Beispielen, am bekanntesten ist wohl dasjenige von Dionysius, dem Tyrannen von Syrakus der um 400 v. Chr. auf Sizilien gelebt hat. Dieser soll während seiner fast 40jährigen Herrschaft voll Misstrauen gegenüber seinen Freunden gewesen sein. Als Leibgardisten hat er Sklaven ausgewählt, denen er die Freiheit schenkte und so auf ihre Zuverlässigkeit zählen konnte. Er hat es nie gewagt, sich von einem Coiffeur rasieren oder die Haare schneiden zu lassen: seine eigenen Töchter mussten lernen ihm die Haare zu schneiden. Wenn er eine seiner Ehefrauen besuchte, dann liess er im Voraus das ganze Gebäude durchsuchen. Zum Bett gelangte er nur über eine Holzbrücke, die jeweils abmontiert wurde, solange er im Schlafzimmer weilte. Zu seinem Volk redete er vor lauter Angst nicht von einer Tribüne aus, sondern von einem hohen Turm herab. Als einer seiner Anhänger mit Namen Damokles behauptete, Dionysius führe doch ein beneidenswertes Leben, erwiderte dieser: „Stell dir vor, du lebst im Luxus und Überfluss, hast alle Macht und über dir hängt ein an einem Pferdehaar aufgehängtes Schwert. Könntest du dich unter diesen Umständen über dein Leben freuen?“ Politische Gegner hat der Tyrann von Syrakus übrigens in einer Kaverne eines alten Steinbruchs eingesperrt, die akustisch so angelegt war, dass jegliche Gespräche der Gefangenen von aussen abgehört werden konnten.

Dionisio

 

 

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