Deutsch – Italienisch: 67:26

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Humoreske

Nein, bei diesem Resultat handelt es sich nicht um das Ergebnis einer Partie zwischen einer deutschen Fussball-Elf und der italienischen Squadra azzurra. Es geht um die Sprache, und da verzeichnet die deutsche Sprache über die italienische einen vernichtenden Sieg. Zumindest quantitativ. Denn:

  • Das längste Wort auf Italienisch (obwohl vom italienischen Duden, der „Crusca“, nicht offiziell anerkannt) lautet: „Precipitevolissimevolmente“, was soviel heisst wie etwas „Hals über Kopf“ zu tun. Das ist ein Wort von kläglich wenigen 26 Buchstaben.
  • Auf deutsch hingegen lautet (gemäss offiziellem Duden) das längste Wort: „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“. Das sind stolze 67 Buchstaben. Damit steht der Sieger eindeutig fest.

Was lässt sich daraus schliessen? Es wäre nur allzu einfach, das italienische Debakel rein sprachwissenschaftlich erklären zu wollen. Damit etwa, dass es halt auf Deutsch, anders als im Italienischen möglich ist, Substantive schier endlos aneinanderzuknüpfen. So wird aus dem Wort Staub ein Staubsauger, aus einem Staubsauger ein Staubsaugerschlauch und aus einem Staubsaugerschlauch eine Staubsaugerschlauchschraube etc. Denn was wir im Deutschen in einem einzigen, einfachen, klipp und klaren und konzisen Wort zusammenfassen, bedarf im komplizierten Italienisch einer mehrere Zeilen füllenden Wortkadenz. Versuchen Sie mal, das erwähnte deutsche Rekordwort ins Italienische zu übersetzen. Da kämen Sie wohl auf so etwas wie „Ordinanza riguardante il trapasso di competenze in merito ad approvazioni concernente le autorizzazioni di traffico su fondi immobiliari” oder etwas Ähnliches. Alles klar, oder?

Nein, der wirkliche Erklärungshintergrund für das 67:26 liegt weitaus tiefer. Vielleicht liegt er in der Unterschiedlichkeit zwischen den alemannischen und südländischen Seelen. Erstere möchten komplizierte Zusammenhänge einheitlich zusammenfassen und ersticken an der Komplexität ihrer Wortbildungen, letztere möchten alles differenzierter betrachten und verzweifeln an der Unübersichtlichkeit ihrer Wortgeflechte.

Wie dem auch immer sei: Sollten Sie irgend ein rechtliches Problem haben wegen der Ihres Erachtens falsch angewendeten „Ordinanza………………………“ resp. „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“, wenden Sie sich am besten an Ihren Anwalt. Der weiss zwar wohl auch nicht weiter, wird Ihnen aber sicher „precipitevolissimevolmente“ für seine Abklärungen eine teure Rechnung ausstellen.

Ronco

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