Der Olympische Frieden

Feb 7 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 122 Views • Commenti disabilitati su Der Olympische Frieden

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

In diesen Tagen werden in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang die XXIII. Olympischen Winterspiele eröffnet. Im Vorfeld der Spiele hat sich etwas ganz Unerwartetes ereignet: Die seit Jahrzehnten getrennten und zerstrittenen Staaten Nord- und Südkorea wollen offenbar unter einer einzigen Flagge an den Wettkämpfen teilnehmen. Im Frauen-Hockey soll es sogar eine gemischte Mannschaft (sprich: Frauenschaft) aus beiden Ländern geben. Wer hätte das geglaubt nach all dem Gezänk, den gegenseitigen Drohungen und den Versuchsraketen von Seiten Nordkoreas in den letzten Monaten. Offenbar steht der Sport – zumindest, wenn er auf internationaler Bühne stattfindet – weit höher als politische Auseinandersetzungen. Olympische Spiele können Brücken bauen und Kriegsparteien an einem Tisch zusammenbringen (sprich: in einem Stadion).

Korea setzt eigentlich nur eine uralte Tradition fort, die im Ursprungsland der Olympischen Spiele, im alten Griechenland, schon im achten vorchristlichen Jahrhundert eingeführt worden ist: Der Olympische Frieden. Die Griechen bildeten ja nie einen gemeinsamen Staat. Stattdessen lagen sich die einzelnen Städte wie Athen, Sparta usw. regelmässig in den Haaren und die Rivalitäten mündeten nicht selten in jahrelange Kriege zwischen Griechen und Griechen. Ihnen lagen aber die sportlichen Wettkämpfe so sehr am Herzen, dass sie dabei alle politischen Streitigkeiten vergassen. Konkret gab es ein inner-griechisches Abkommen, wonach während der Anreise der Athleten und Zuschauer nach Olympia, dann natürlich während der Wettkampftage und ebenso während der Abreise der Teilnehmer und Festbesucher alle kriegerischen Aktionen in Griechenland eingestellt wurden. Die Griechen nannten diesen Waffenstillstand das «Olympische Hände-Halten». Sie empfanden also eigentlich nur während der Durchführung der sportlichen Spiele eine panhellenische Einheit. Streitigkeiten konnten ja warten, man hat nach Olympia wieder vier Jahre Zeit diese auszutragen.

Was Korea also in letzter Minute vor den Winterspielen eingeleitet hat, entspricht einer alten Tradition. Ob der Vorsatz auch ausgeführt wird, werden wir in den nächsten Tagen erleben. Schon bei den alten Griechen ist nämlich die Regel, dass Sport über der Politik steht, mehrmals gebrochen worden. Bei den Spielen der Neuzeit sind ebenfalls oft die beiden Bereiche vermischt worden: Deutschland wurde 1920, 1924 und 1948 von den Spielen ausgeschlossen; Deutschland hat 1936 die Spiele für nationalsozialistische Propaganda missbraucht; 1956 nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjetunion wurden die Spiele von mehreren Staaten, darunter auch der Schweiz, boykottiert; 1972 verübten palästinensische Terroristen einen Anschlag während der Spiele in München auf israelische Sportler.

 

Comments are closed.

« »