Der Hund heult den Mond an, und leider hören ihm dennoch einige dabei zu

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Eros N. Mellini

Eros N. Mellini

Editorial

Ich war hin und her gerissen: Sollte ich auf die Irrungen und Wirrungen von  Mario Jermini (d.h. auf seinen Beitrag in der Leserbriefspalte des „Corriere del Ticino“ vom 17. September) reagieren, oder sollte ich ihn, Dante folgend („Non ragioniam di lor, ma guarda e passa“) einfach ignorieren ? Zugunsten der zweite Variante sprach, dass ich dieses trostlose Individuum persönlich kannte – einen rauen Kerl, den die Natur mit mehr Galle als mit Geist ausgestattet hat, der in stetem Kampf gegen die gesamte Welt steht, der seinerzeit von der Lega her kommend (wo er sich zerstritt) bei der SVP landete, wo er sich wiederum zerstritt, sodann auf den Spuren und mit dem Segen des ex-Präsidenten der Luganeser Sektion (der ihn in einem seiner Artikel dazu gratulierte, innerhalb des Komitees „EU-Nein“ „die Kirche ins Dorf zurückversetzt zu haben“ – austrat, um danach zusammen mit Donatello Poggi den „Fronte degli Indignati“ zu gründen. Die Allianz eines ex-SVPlers mit einem ex-Kommunisten sollte dem Herrn Jermini zu denken geben, bevor er anderen Leuten Inkohärenz vorwirft, aber wenn die Galle alleine den Geist leitet…Ich habe danach erfahren, dass sich nach nur einigen Monaten besagte Katze und Fuchs (der Vergleich mit den beiden wirren Betrügern in Collodis Pinocchio drängt sich geradezu auf) auch mit der neuerlichen politischen Gruppierung zerstritten hätten und, die Türen zuschlagend, natürlich nur noch Gift und Galle über sie verbreiten. Wer weiss, ob er sich bewusst geworden ist, dass es, um jenen anzugehören, welche die Partei vorwärts bringen, mehr als der (von ihm in seinem Artikel erwähnten) „tre o quattro gatti“ (= eine knappe Handvoll Leute; in Tat und Wahrheit sind es weitaus mehr, aber natürlich nie genug) bedarf, und dass man dazu 1. die nötigen Fähigkeiten besitzen und  2. persönlich bereit sein muss, seine Kräfte, Energien und finanzielle Mittel einzusetzen

Dazu kommt, dass ich mich nach Auflösung des Komitees „EU-Nein“ zugunsten jenes am 3. Juni neu konstituierten dazu verpflichtet hatte, keine  Forderungen zu stellen (obschon ich Lust und ausreichende Gründe dazu gehabt hätte). Dies, um die Arbeiten des neuen Komitees nicht zu behindern, dies angesichts dessen vitaler Bedeutung im Hinblick auf das gemeinsame Ziel: Sich der sich in Bundesbern anbahnenden, schleichenden Annäherung an die EU zu widersetzen.

 

Meine Bereitschaft setzte jedoch voraus, dass die „Begrabung des Kriegsbeils“ zugunsten des gemeinsamen Zieles gegenseitig sei. Nun aber werde ich in der meist verbreiteten Zeitung des Tessins öffentlich angegriffen, mit weit her geholten erfundenen Behauptungen und Bezichtigungen, seitens von jemandem, der im neuen Komitee meines Wissens lediglich als Kassier fungiert.

 

Ich habe mich deshalb entschlossen, mittels dieses „Editorials“ zu antworten, denn die eine oder andere etwas bösartige Erwiderung ist nötig, und weil ich nicht sicher bin, dass mir der „Corriere“ sie abgedruckt hätte. In „Il Paese“ hingegen habe ich mehr Freiheiten und darf darin ohne Zensurängste die Pünktchen auf das „i“ setzen.

 

 

Parteiunabhängiges Komitee – interparteiliches Komitee

 

Als Christoph Blocher auf Bundesebene seine Idee eines „Komitees gegen den schleichenden EU-Beitritt“ lancierte, war ich einige Sitzungen lang der einzig anwesende Vertreter aus dem Tessin. Das Leitmotiv der Sitzungen war – neben der Aktualisierung der Lage – dass „das Komitee parteiunabhängig sein müsse“, um einen parteiübergreifenden Konsens zu finden.  Und so fragte ich an, ob ich eine Tessiner Sektion gründen dürfe, was mir sofort zugestanden wurde. Nun ja, was ist ein  “parteiunabhängiges“ Komitee ? Meines Erachtens ist das eine für alle offene Vereinigung, zu deren Gründung man die Parteien nicht beizieht. Man beruft eine konstituierende Versammlung ein mittels Ankündigungen in der Presse (wer immer daran teilnehmen will ist willkommen) zwecks Gründung, man stimmt den Statuten zu und wählt den Vorstand. Was ich denn auch sofort tat am 1. August in Biasca. Es zutreffend, dass ich das aus Bequemlichkeit am gleichen Tag der 1.August-Feier der SVP getan habe, aber es ist ebenso zutreffend, dass es unter den rund 60 Teilnehmern verschiedene gab, die der SVP nicht angehörten, und dass der parteiunabhängige Charakter der Veranstaltung von mir mehrmals unterstrichen wurde, so dass in den ersten gewählten Vorstand zwei SVPler, ein Angehöriger von „Area Liberale“ und ein CVPler gewählt wurden. Ebenso richtig ist, dass der darauf folgenden Mitgliederwerbung viele Leute Folge leisteten, die sicher nicht in der Partei tätig sind.

 

Aber all dies war natürlich für die oben erwähnten „Katze und Fuchs“ nicht von Interesse, denen mehr an einem Aufköcheln ihrer Galle gegen die SVP Tessin und gegen mich persönlich im besonderen gelegen war, und deshalb schrieben sie an Christoph Blocher einen Brief und beklagten sich darin, dass das neu gegründete Komitee nur SVPlern offen stünde. Leider wurde das Geheul der Hunde erhört, mit dem Resultat, dass eine bereits vorgesehene Abendveranstaltung mit Blocher in Muralto als Redner abgesagt werden musste und mir der Vorwurf gemacht wurde, die Parteien nicht vor Gründung der Vereinigung informiert zu haben. Meine Entgegnung: „Ich wurde damit beauftragt, ein PARTEIUNABHÄNGIGES und nicht ein PARTEIÜBERGREIFENDES Komitee zu gründen“ wurde mit der Bemerkung weggewischt, ich spiele um Worte. Und  Katze und Fuchs wurde der Auftrag erteilt, mit den Parteien Kontakt aufzunehmen, um ein (jedenfalls gemäss seinem Grundgedanken) irrtümlich als parteiunabhängig bezeichnetes Komitee ins Leben zu rufen.

 

Im Interesse des Ideals schlucke ich die Kröte

 

Es entstand die absurde Situation, dass nun zwei Vereinigungen mit quasi der gleichen Bezeichnung und denselben Zielen existierten. Weil ich das Erreichen des gemeinsamen Ziels als wichtiger einstufte als meine persönliche Befindlichkeit, habe ich – trotz der von mir empfundenen Dolchstösse – am 23. Mai 2015 die Generalversammlung einberufen, welche die Auflösung unserer Vereinigung und den Übertritt von dessen Mitglieder in die neue Vereinigung beschloss. Als Zeichen des guten Willens im Interesse des gemeinsamen Ziels habe ich auf Einladung der Gegenpartei hin am 3. Juni an der Pressekonferenz teilgenommen, an der ich die Auflösung unserer Vereinigung bekannt gab (welcher mittlerweile über 140 Personen beigetreten waren). Die Auflösung ist deshalb nur für Jermini rätselhaft. Wenn er nun unter den damals fotografierten Teilnehmern, die „mit dem neu gegründeten Komitee nichts zu tun haben“ mich meint, dann heisst das, dass sein Gallenleiden noch nicht verheilt ist. Ich empfehle ihm eine Artischokken-Kur.

 

Zum guten Schluss: Es ist einfach schade, dass man Hirnmasse nicht im Warenhaus kaufen kann. Ich wüsste nur allzu gut, wem ich hiefür gerne einen Weihnachts-Gutschein schenken würde. Ich bezweifle jedoch, dass meine Finanzlage es mir erlaubte, genügend Hirnmasse einzukaufen zu lassen, um einen Schädel zu füllen, der absolut leer zu sein scheint.

 

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