Edizione del: 06/08/2010
 
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Editorial

Wenn die Gänse pinkeln…

 
Als ich jung war pflegte man den Kindern – um ihnen klarzumachen, sie sollten nicht ins Blaue hinein reden und gefälligst mal schweigen – zu sagen: „Sprich erst dann, wenn die Gänse pissen“. Das heisst: nie.

Vielleicht bin ich etwas anmassend, denn ich tue nun gerade das Gegenteil von dem, was ich anderen empfehle. Doch ich komme nicht darum herum, mich gegen die Reaktionen einiger sich als Kommunisten brüstenden Linksstehenden zu erheben, welche gegen den Entscheid des Bundesrates protestieren, den Römergruss (Hitlergruss) und das Zurschaustellen des Hakenkreuzes strafrechtlich für nicht verfolgbar zu erklären. Würde die Kritik von Seiten jüdischer Kreise erhoben, könnte ich sie – mit einigen Vorbehalten wegen gewisser Verhaltensweisen des heutigen Staates Israel – noch akzeptieren. Aber seitens der Kommunisten nicht !

Das vom Kommunismus-Historiker Stéphane Courtois verfasste Schwarzbuch des Kommunismus (Le Livre noir du communisme: Crimes, terreur, répression, 1998) macht den Kommunismus grosso modo für 100 Millionen Opfer verantwortlich. Es liefert dazu eine zahlenmässige Aufzählung: UdSSR zwanzig Millionen, China fünfundsechzig Millionen, Osteuropa eine Million, Lateinamerika hundertfünfzigtausend, Afrika eine Million siebenhunderttausend, Afghanistan eine Million fünfhunderttausend, Internationale Kommunistische Bewegung und nicht an den Schalthebeln der Macht sitzenden kommunistische Parteien zehntausend. Einige zweifeln diese Daten an, doch auch wenn man sie mit der nötigen Vorsicht geniesst kann man ohne weiteres vertreten, dass die auf die Theorien von Marx und Lenin und deren Missbräuche zurückzuführende Anzahl Opfer vier bis fünfmal höher ist als jene, die dem frevelhaften Hitlerregime anzulasten sind. Wenn man bedenkt, dass man für den gesamten Zweiten Weltkrieg mit 71 Millionen Toten rechnet, bedarf es keiner weiteren Erläuterung, um die katastrophale Schädlichkeit des Kommunismus aufzuzeigen.

Und dennoch: Während der Nazismus – verstanden als Ausdruck seiner grässlichen und unheilvollen Folgen, nicht als Wahnvorstellung einiger unverantwortlicher Glatzköpfe, die die Nazizeit nicht selber erlebt haben – mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als beendet betrachtet werden kann, hat man es dem Kommunismus ermöglicht, sich auch danach fortzusetzen. Die einzigen, die – zumindest offiziell – versucht haben, dagegen anzukämpfen, waren die USA; da es aber zu gefährlich, um nicht zu sagen tödlich gewesen wäre, die UdSSR oder China frontal anzugreifen, taten sie es in Korea und Vietnam.

Denn: Den harten Burschen spielen kann man – insbesondere nach dem Aufkommen der Atomwaffen – nur gegenüber Besiegten oder Besiegbaren; man kann es nicht gegenüber Atommächten tun und damit einen Konflikt heraufbeschwören, der höchstens in eine gegenseitige Zerstörung unvorstellbaren Ausmasses ausmünden könnte. Nichtsdestotrotz haben die USA wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn alles in allem sind sie aus beiden Konflikten als Verlierer hervorgegangen.

Zum – zumindest zu unserem – Glück ist sich die UdSSR nach etwas mehr als siebzig Jahren bewusst geworden, dass das Ziel, die Lebensbedingungen aller Menschen losgelöst von deren Fähigkeiten und ihres persönlichen Einsatzes anzugleichen, eine unrealisierbare und zudem ungerechte und kontraproduktive Utopie ist. Und so vermochte man die Leute der westlichen Welt denn auch nicht für das kommunistische Paradies zu begeistern, sondern musste man mittels Schiessbefehlen die Bevölkerung des Ostens daran hindern, in die kapitalistische Hölle zu flüchten.

1989 wurde die Berliner Mauer, das Symbol des Scheiterns des Kommunismus, niedergerissen. Das führte nicht dazu, dass die Staaten jenseits des eisernen Vorhangs sich vom Schock erholt hätten; es bedarf wohl für sie einer weiteren Generation, um wirklich ganz die kapitalistische Denkweise des freien Marktes zu übernehmen und vor allem um sich von jener überbordenden Fürsorgementalität zu befreien, die sie leider teilweise auch zu uns zu exportieren vermochten. Aber zumindest sind sie auf gutem Wege.

Auf Abwegen hingegen befinden sich unsere einheimischen Leninisten, welche den Nazismus verteufeln und den Kommunismus verherrlichen.

Das geht gar soweit, dass man das Recht in Anspruch nimmt, die eigene nunmehr überlebte politische Kraft „Kommunistische Partei“ zu nennen, in Gegentendenz zu all jenen Staaten, welche den Kommunismus am eigenen Leibe erlitten haben und die – obschon sie weit linksorientierter bleiben als es der gesunde Menschenverstand gebieten würde – äusserst glücklich sind, nun wirklich arbeiten und sich etwas mehr leisten zu können als das staatliche fade altbackene Brot.

Und der Sekretär der Tessiner „Kommunistischen Partei“ erdreist sich gar, dagegen zu protestieren, dass nach Ansicht des Bundesrates der Römergruss und das Zurschaustellen des Hakenkreuzes keine strafbaren Handlungen darstellen sollen. Ihm gemäss ziehe man es vor, die (meines Erachtens frevelhafte) Antirassismus-Strafnorm gegenüber den Geschichtsforschern anzuwenden. Als ob es Professor Bergier gewesen wäre, den man durch den Fleischwolf des berüchtigten Artikels 261bis gedreht hätte – jener Professor, der übrigens nach Ansicht vieler Schweizer die eine oder andere Kritik durchaus verdient hätte. Listig – ob er sich wohl seines schlechten Gewissens bewusst wurde – meint er: „Und sinngemäss ist der Versuch abzulehnen, den Nationalsozialismus mit dem Sozialismus gleichzusetzen“. Eben nicht, lieber Kollege Parteisekretär, niemand vergleicht den Nazismus mit dem Sozialismus. Letzterer ist – wenn auch schädlich – nicht notwendigerweise Synonym für Gewalt, Gemetzel oder unmenschliche Verbrechen, der Kommunismus hingegen schon. Hammer und Sichel – so heisst es in Wikipedia – war vorerst ein von sozialistischen und kommunistischen Organisationen gemeinsam verwendetes Symbol, im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurde es zum Symbol des Kommunismus schlechthin, es wurde mithin zum klassischen Symbol der kommunistischen Parteien. Also nicht des Sozialismus, sondern des viel schädlicheren und blutigeren Kommunismus, und demzufolge ist es in jeder Beziehung vergleichbar mit dem Hakenkreuz. Und der Gruss mit der erhobenen Faust ist nicht weniger fragwürdig als der Römergruss. Zudem ist das prahlerisch auf T-Shirts zur Schau gestellte Abbild eines Kriminellen wie Ché Guevara vom moralischen Standpunkt aus wie aus Gründen des guten Geschmacks nicht weniger verletzend als es die Abbildung von Hitler oder Mussolini wäre. Persönlich fühle ich mich nicht veranlasst, ungeachtet meiner Sympathie für Christoph Blocher oder Ueli Maurer, deren Abbildungen zur Schau zu stellen; ich kann Ihnen versichern, dass keiner der beiden auf einem meiner T-Shirts abgebildet ist.

Es ist unglaublich, wie überheblich diese sinisteren (linken) Gestalten sich anmassen, Weisheiten von sich zu geben. Wenn sie angesichts ihrer historischen Vergangenheit – deren sie sich paradoxerweise mit unserer Erlaubnis rühmen dürfen – anständigerweise ein Minimum an Zurückhaltung zeigten, würden sie nur bei einer einzigen Gelegenheit das Wort ergreifen: Dann, wenn die Gänse pinkeln !

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Eros N. Mellini
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