Braucht es einen Nationalpark im Tessin?

Mag 18 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 188 Views • Commenti disabilitati su Braucht es einen Nationalpark im Tessin?

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Der bisher einzige schweizerische Nationalpark befindet sich im Unterengadin und ist gleichzeitig der älteste Nationalpark in den Alpen. Er hat zum Ziel, der Natur die Möglichkeit zu geben, sich uneingeschränkt zu entwickeln. Der Park ist einerseits interessant für die Forschung, andererseits soll die Bevölkerung unter Beachtung gewisser Einschränkungen Flora und Fauna in der geschützten Zone erwandern und damit miterleben können. In den letzten Jahrzehnten haben unsere Nachbarländer aufgeholt: Italien z. B. hat heute 25 Nationalpärke – einige davon im Gebirge, andere an der Meeresküste und einzelne auf den Inseln – weitere Projekte warten auf eine Realisierung. Somit befinden sich bereits heute sechs Prozent der Gesamtfläche unseres südlichen Nachbarn in einem geschützten Park. Die Schweiz hat vor kurzer Zeit die Idee eines Nationalparks Adula fallen gelassen und zwar nach einer demokratischen Entscheidung in den beteiligten Gemeinden.

Nun steht der Nationalpark im Hinterland von Locarno zur Diskussion. Beim ersten Blick auf die Karte mit dem vorgesehenen Territorium kann man nur staunen: Es geht nicht um ein zusammenhängendes Gebiet: Sowohl die Brissago Inseln mit ihrer mediterranen Vegetation sind dabei als auch die Täler Onsernone und Centovalli und räumlich getrennt die Gebirgslandschaft um Bosco Gurin. Die Gemeinden des Maggiatals haben mehrheitlich schon in der frühen Planung auf eine Teilnahme verzichtet. Gerade darin liegt ja die Stärke des vorliegenden Projektes: Die Bevölkerung der in der heutigen Planung vorgesehenen Gebiete – und nur sie – soll im Juni über das Parkprojekt entscheiden. Möchte die Bevölkerung ihre geschichtlich gewachsenen Bauten inklusive Maiensässe und Alpen, ihre Produkte und ihre schützenswerte Landschaft bewahren und durch das gemeinsame Projekt bekannt machen? Erwähnt sei die imposante Zahl von weit über 100 bereits umgesetzten Projekten im Park – es lohnt sich, diese im Detail anzuschauen (https://www.parconazionale.ch/it ). Oder geht es darum, sich für die Zukunft uneingeschränkt von allfälligen Parkbestimmungen alle Freiheiten zu erhalten, mit der ererbten Bausubstanz machen zu dürfen, was man will? Für die Befürworter geht es um die Chance, unsere Kulturlandschaft dank Unterstützung von aussen zu erhalten und stolz in einem Nationalpark zu präsentieren – für die Gegner ist es wichtig, mögliche Einschränkungen durch die Parkverordnung zu vermeiden. Beide haben klare Vorstellungen: Wichtig ist, dass die Bevölkerung deutlich hinter dem Entscheid steht.

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