Sturm auf dem Lago Maggiore

Giu 30 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 452 Views • Commenti disabilitati su Sturm auf dem Lago Maggiore

Linienschiff der italienischen NLM auf dem Schweizer Becken des Lago Maggiore – wir werden nächstes Jahr auf das beliebte und gute Angebot verzichten müssen. (Bild www.ticino.ch)

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Die Mitteilung war zwar erwartet worden, kam dennoch etwas überraschend: Die italienische Schifffahrtsgesellschaft NLM will ab nächstem Jahr auf dem Schweizer Seebecken des Verbano nur noch die internationalen Kurse anbieten. Der lokale Verkehr zwischen den einzelnen Tessiner Orten kann bzw. muss von einem anderen Anbieter übernommen werden. Unter diesen Voraussetzungen benötigt die italienische Gesellschaft das Schweizer Personal nicht mehr und hat vorsorgliche Kündigungen ausgesprochen, was bereits einen breiten Proteststurm hervorgerufen hat. Man fragt sich, ob die Entscheidung der italienischen Gesellschaft mit der in den vergangenen Jahren in der Schweiz erhobenen Kritik zusammenhängt? Was wurde da nicht alles den italienischen Betreibern der Linienschifffahrt vorgeworfen: Die Schiffe seien zu alt, die Fahrpreise zu hoch (was angeblich den Besucherrückgang auf den Brissago-Inseln mit verursacht haben soll), das Halbtax-Abonnement werde nicht akzeptiert, die Schifffahrt werde im Frühling zu spät aufgenommen und im Herbst zu früh eingestellt usw. Es ist ja leider im Tessin Mode geworden, alles, was von Italien kommt, schlecht darzustellen.

Nun stehen wir heute vor einem Scherbenhaufen, der ein eminent wichtiges Glied des touristischen Angebotes im Tessin in Frage stellt. Es ist doch seltsam, dass wir von all den Kritikern des bisherigen Angebotes in den letzten Wochen überhaupt nichts gehört haben. Wir haben uns auf ein neues Konzept gefreut, nachdem eine detaillierte Studie in den Jahren 2014 und 2015 das Potential der Schifffahrt auf dem Lago Maggiore ausführlich beschrieben hat. Seither wäre genügend Zeit gewesen, die Frage nicht nur wissenschaftlich, sondern auch ganz praktisch anzugehen. Wer stellt denn die angeblich so ersehnten modernen umweltfreundlichen Schiffe, wie sie in der Studie empfohlen wurden, zur Verfügung, die in Zukunft einen Linienverkehr auf dem Tessiner Becken des Sees garantieren sollen? Wer baut denn und vor allem wo die nötige Infrastruktur zum Unterhalt der Schiffe? Schliesslich: Wer ist denn bereit, die Realisation einer modernen Schifffahrt zu bezahlen? Der Kanton und die an den See grenzenden Gemeinden werden es ja wohl nicht sein…

Sind wir doch ehrlich: Das Angebot der italienischen Gesellschaft auf dem Lago Maggiore war in den letzten Jahren ganz gut und könnte problemlos in gemeinsamer italienisch-schweizerischer Zusammenarbeit ausgebaut werden könnte. Vielleicht liegt darin das Problem, dass Italiener und Tessiner nicht gewillt sind, gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Was die Angestellten im Schweizer Seebecken betrifft: Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und die Kündigung sicher nicht verdient. Ist denn keine Schifffahrts-Gesellschaft in der Schweiz bereit, dieselben Löhne, wie sie die italienische Gesellschaft bisher bezahlt hat, zu garantieren? Wenn wir das im Tessin nicht zu Stande bringen, so müssten wir uns eigentlich schämen. Etwas utopisch mutet es schon an, wenn davon die Rede ist, die Schifffahrt auf dem Luganersee und diejenige auf dem Lago Maggiore zusammenzulegen: die Tresa als Ausfluss des Luganersees wird wohl noch für längere Zeit nicht geeignet sein, um die benötigten Schiffe von dem einen zum anderen See zu verschieben…

 

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